Zum 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer

 

Foto: 2myMind.de / g.m.

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Persönliche Erinnerungen an den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989

Nur die Generationen der heute über 35-jährigenen Bürger des Landes können sich aus eigener Erfahrung noch an die überwältigende Stimmung des 9. November 1989 erinnern. Nach 28 Jahren des Eingemauertseins hatten sich Westberliner und Einwohner der alten Bundesrepublik Deutschland längst an den Zustand gewöhnt, dass die Bewegungsfreiheit in Berlin, nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum Berlin West entfernt, in allen Richtungen durch die Mauer begrenzt war. Die Transitstrecken für den Straßenverkehr nach Westdeutschland waren nur über die Grenzkontrollstellen der Deutschen Demokratische Republik (DDR) Richtung Hamburg, Hannover und Hof zu erreichen, wobei es oft zu langen Wartezeiten bei der Einreise und der Wiederausreise kam. Darüber hinaus war es über lange Zeiträume teilweise zu äußerst unangenehmen Kontrollen, zum Teil zu Verhören mit stundenlangem Festhalten oder sogar zu Verhaftungen gekommen.

Die Eisenbahnverbindungen von Berlin nach Westdeutschland spielten aufgrund maroder Strecken, ewig langer Fahrzeiten und unbequemen Zügen so gut wie gar keine Rolle, während der Flugverkehr von und nach Berlin als einzig unkontrollierter Zugang immer mehr aufblühte. Betrieben werden durften die Verbindungen auf Grund des nach dem 2. Weltkrieg verhängten Alliiertenstatus, der Berlin unter den Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und UdSSR aufgeteilt hatte, nur von Fluggesellschaften der Westmächte.

 

Foto: © 2myMind.de / g.m.

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Kaum ein „Westberliner“ oder „Westdeutscher“ hatte mehr an eine Veränderung geglaubt

„Westberlin“, wie es damals genannt wurde, war eine Stadt mit etwa zwei Millionen Einwohnern, von denen sich die meisten langjährig an den Zustand des Eingemauertseins gewöhnt hatten, die einen zum Teil recht provinziell anmutenden Charakter aufwies. Ein Großteil der „Westdeutschen“ nahm „Westberlin“ nicht recht ernst und viele Bundesbürger, einschließlich einer ganzen Reihe namhafter Politiker hätten „Westberlin“, das der Bundesrepublik Deutschland obendrein auf der Tasche lag, am liebsten eher heute als morgen aufgegeben. Kaum ein Bürger Berlins und Westdeutschlands glaubte Ende der Achtziger Jahre noch, dass sich die Situation „Westberlins“ je ändern würde und schon gar nicht mehr an eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten.

Wie aus dem Nichts und ohne dass die Menschen lange vorher etwas geahnt hätten, kam es im Jahr 1989 über die Prager Botschaft und Ungarn zu einer immer stärker anwachsenden Fluchtwelle aus der DDR. In der DDR machten sich Bürgerrechtsbewegungen stark und bei friedlichen Demonstrationen gegen Unterdrückung und für Freiheit gingen Hunderttausende Bürger regelmäßig auf die Straßen. Der Druck für die schwache und kaum noch handlungsfähige Regierung der DDR wurde so stark, dass nach der Entmachtung des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, am 9. November 1989 die Öffnung der Grenzen bekanntgegeben wurde. Hunderttausende DDR-Bürger strömten unter unbeschreiblichem Jubel und Glücksgefühl mitten in der Nacht nach „Westberlin“ und in andere Ortschaften und Städte entlang der innerdeutschen Grenze. Obwohl niemand zu dem Zeitpunkt wissen konnte, wie sich die Situation weiter entwickeln würde und ob nicht weiter zwei deutsche Staaten in guter Nachbarschaft bestehen bleiben würden, war das der Augenblick des Mauerfalls, der letztlich zum Niederreißen der gesamten Mauer um „Westberlin“ und der Mauer an der innerdeutschen Grenze sowie zur Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 führte.

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Feierstimmung entlang des früheren Mauerverlaufs und Bürgerfest am Brandenburger Tor

Dort, wo vor 25 Jahren die Grenzübergangsstellen für die Ostberliner geöffnet wurden, wo Tränen der Freude flossen, wo eine unbeschreibliche Aufbruchstimmung herrschte und sich wildfremde Menschen in die Arme fielen, trafen sich am 9. November 2014 Tausende Menschen, um den 25. Jahrestag zu feiern. Doch nicht nur dort, sondern in vielen Bereichen eines 7 Kilometer langen Streifens zwischen der Bernauer Straße und dem Potsdamer Platz, auf dem früher die Mauer Berlin West von Berlin Ost getrennt hat, ballten sich die Menschenmengen. Vor dem Brandenburger Tor fand ein groß angelegtes Bürgerfest statt, bei dem politische Reden gehalten wurden und viele beliebte Künstler aufgetreten sind.

 

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Installation „Lichtgrenze“ stellt innerstädtischen Verlauf der Berliner Mauer dar

Eine besondere Attraktion stellte eine 15 Kilometer lange Lichtinstallation dar, die aus 8.000 weißen Ballons bestand, welche sich, wie in einer Perlenkette auf speziellen Stelen aufgereiht, von der Bornholmer Straße über die Stationen Mauerpark, Gedenkstätte Bernauer Straße, Reichstag, Brandenburger Tor, Checkpoint Charlie bis zur Eastside-Gallery erstreckte. Damit wurde die ehemalige Verlauf der Berliner Mauer in der Innenstadt nachgezeichnet. Abends waren die Ballons indirekt beleuchtet und erstrahlten in einem sanften Weiß. Ballonpaten konnten über das Internet persönliche Botschaften formulieren, die an die Ballons gehängt wurden. Am 9. November um 19:00 Uhr war es dann soweit: Von mehreren Startpunkten auf der Gesamtstrecke der Lichtinstallation aus wurden die Ballons reihenweise in den schwarzen Berliner Nachthimmel entlassen. Dazu wurde vom Brandenburger Tor aus der Auftritt der Staatskapelle unter der Leitung von Daniel Barenboim übertragen, die stimmungsvoll Ludwig van Beethovens „Ode an die Freude“ intoniert.

 

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Bürgerfest am Brandenburger Tor unter dem Motto „Mut zur Freiheit“

Bei dem großen Bürgerfest am Brandenburger Tor, an dem neben führenden Politikern auch die Bundeskanzlerin teilnahm, wurden nicht nur Festreden gehalten, sondern es nahmen bedeutende Künstler wie Daniel Barenboim, Udo Lindenberg, Peter Gabriel, Die Fantastischen Vier, Silly und Paul Kalkbrenner teil. Das Abendprogramm, das mit einem Gedenken an die Opfer der Mauer begann, wurde von Jan Josef Liefers moderiert und rief Erinnerungen an das geteilte Deutschland, den Mauerfall und die wiedergewonnene deutsche Einheit hervor.

2myMind.de / g. m. 

 

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