Zugang zu Millionen Verbrauchern mit schlechter Bonität

Foto: Thorben Wengert / Pixelio.de

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Wer Auskünfte über fast acht Millionen Verbraucher mit Zahlungsschwierigkeiten bei der Bertelsmann-Tochter Infoscore haben wollte, hat sie leicht bekommen. Eine Datenpanne bei einer der größten Auskunfteien Deutschlands besorgt Datenschützer.

Nach Recherchen des Radiosenders NDR Info ist es bei Infoscore Consumer Data zu einem schweren Datenschutzvergehen gekommen. Die Auskunftei gehört zum Bertelsmann-Konzern und gibt wie Creditreform oder Schufa Auskunft über die Bonität von Millionen Bundesbürgern. Wie bekannt wurde, reichten bei Infoscore die Angaben von Namen, Adresse und Geburtsdatum, um sich über die finanzielle Situation von rund 7,8 Millionen Verbrauchern ein Bild zu machen. Die Firma hat ohne weitere Legitimation die Daten aus einem Portal für Mieter-Selbstauskünfte herausgegeben. Eigentlich ist diese Dienstleistung für Mieter gedacht, die ihre Bonität gegenüber einem Vermieter erklären.
Anders als beispielsweise bei der Schufa, die zur rechtmäßigen Abfrage personenbezogener Daten den Personalausweis verlangt, erfolgte bei Infoscore keine Überprüfung. So konnten Dritte bei Infoscore etwa Einträge wie Mahnverfahren, Zahlungsrückstände, erfolglose Pfändungen oder sogar Haftbefehle gegen hartnäckige Schuldner einsehen. Die von Infoscore verlange Handynummer, an die eine Kontroll-SMS geschickt wird, muss nicht identisch sein mit der Telefonnummer des um Bonitätsauskunft nachsuchenden Verbrauchers. Nach eigenen Angaben verfügt Infoscore über Daten von rund 40 Millionen Personen, 7,8 Millionen davon weisen negative Einträge bezüglich ihrer Solvenz auf.

Datenschützer zeigten sich entsetzt über die unzureichenden Schutzmaßnahmen der Bertelsmann-Tochter und sprechen von einem gravierenden Datenschutzverstoß. Verbraucherschützer sehen eine Schutzlücke im System der Infoscore. Das Unternehmen verweist unterdessen auf die Nutzungsbestimmungen, die explizit auf die Einholung einer Mieterselbstauskunft hinweisen. Wer sich nicht daran halte, mache sich strafbar, rechtfertigt sich Infoscore, auf die Unzulässigkeit einer Auskunft für nicht selbst Betroffene aufmerksam gemacht zu haben. Laut Medienberichten hat Infoscore die kritisierte Praxis der Mieterselbstauskunft mittlerweile vom Netz genommen. Es sei dem Unternehmen bislang kein einziger Missbrauchsfall bekannt, heißt es ferner.

kfb (cid)

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