Zirkus Europani: Polit-Zirkus-Gedicht

Polit-Zirkus-Gedicht
Zirkus Europani:

Der Brexit, oder doch
Exit vom Brexit?

Welch ein aufgeschrecktes Volk die kühlen Briten derzeit sind,
schießen die EU-Mitgliedschaft einfach mal so in den Wind.
Mit zwiespältigen Argumenten zogen manche in die Schlacht,
EU-Gegner stießen das United Kingdom ins Chaos über Nacht.
Kaum war die raue Schlacht vorbei, das Referendum gewonnen,
erwiesen sich Versprechen als Lügen, waren Träume zerronnen.
Nur wenige Stunden nach dem Sieg der Befürworter wurde klar,
dass das Votum gegen die Interessen der Jugend gerichtet war.
Wirtschaft, Entwicklung und Menschen im Land werden leiden,
unterm Votum engstirniger Briten, die der EU Fehler ankreiden.
Höhere Steuern, weniger soziale Leistungen sind zu erwarten,
Verluste von Arbeitsplätzen und Branchen werden entarten.
Camerons Schachzug sollte doch die EU-Gegner disziplinieren,
nicht geplant war, dass die Briten per Votum ihr Land ruinieren.
Er schimpfte in der EU, kämpfte besessen und drohte mit Exit,
schob das Voting an, forderte aber dann: Verhindert den Brexit!
Das Brexit-Chaos in Britannien ist perfekt, der Schock sitzt tief,
verbaut ist die Zukunft junger Generationen, die Lage ist schief.
David Cameron, Initiator des Referendums, warf das Handtuch,
sollen doch andere gefälligst richten den gescheiterten Versuch.
Schon Mary Thatcher kämpfte für Sonderrechte in einem fort,
ihre Nachfolger machten die Jagd auf EU-Rabatte zum Sport.
Ein Staat, der vorrangig die Vorteile der EU zu nutzen beliebt,
die Pflichten der Gemeinschaft aber trickreich von sich schiebt.
Hart trifft der Ausgang des Referendums das Land der Schotten,
ihre Meinung ist: Wir wollen nicht außerhalb der EU verrotten.
In der Folge steht erneut die Trennung von England auf dem Plan
für die Unabhängigkeit, als EU-Nachbar Klein-Britanniens fortan.
Ins Ausland reisen würde die Queen mit ihrem Gefolge ohne Witz,
künftig auf der Fahrt nach Balmoral Castle, ihrem Sommersitz.
In langer Warteschlange würde ihr Konvoi an der Grenze stehen,
strenge Pass- und Personenkontrolle ließe sie über sich ergehen.
Auch Nordirland hat für weiteren Verbleib in der EU gestimmt,
möglich, dass Irland bald diesen Teil des Königreichs übernimmt.
Nach Jahrzehnten Bürgerkrieg sind die Iren die alte Grenze leid,
sind nicht zur Schaffung neuer EU-Grenzen auf der Insel bereit.
Einem wahren Dolchstoß für das United Kingdom käme gleich,
die Wiedervereinigung Nordirlands mit Irland zu einem Reich.
Für Irlands Wirtschaftsentwicklung und den Frieden im Land
würde dies Fortschritt bedeuten zu Großbritanniens Schand.
Das Brexit-Verhalten einiger Köpfe der EU war nicht ohne Arglist,
denn sie drängten auf schnellsten Beginn der Verfahrensfrist.
Ihr Denken richtete sich nach dem Motto: Ihr habt´s ja so gewollt,
zögert nicht, schafft sichere Fakten, seht zu, dass ihr Euch trollt.
Brexit means Brexit, Theresa May tönt. Exit vom Brexit gibts nicht,
weil der Volkswille zählt. Doch was heißt das aus kritischer Sicht?
Nicht selten sind Regierungsbeschlüsse, überlegt und ausgereift,
von kurzer Dauer, wenn der politische Gegner die Macht ergreift.
Nicht nur das Vereinigte Königreich leidet unter diesem Schock,
die ganze EU wird den Schaden zu spüren bekommen im Block.
Wirtschaftsbeziehungen zu England werden sich ändern abrupt,
wer weiß schon, was sich gar bei den Verhandlungen entpuppt.
Bundeskanzlerin Merkel meint: Der Brexit kommt, das ist gewiss,
all ihre Härte zeigen muss die EU, ohne jeglichen Kompromiss.
Altkanzler Kohl warnte mit Bedacht: Schlagt nicht zu die Türen,
lasst die Briten über sich selbst entscheiden, ohne Eure Allüren.
Im März hatte Theresa May den Antrag zum EU-Austritt gestellt,
das Referendum war nicht einmal bindend, um alles in der Welt.
Falsche Wahlversprechen haben die Sinne der Briten irritiert,
ungewollt war das Desaster, das den gesamten Staat blockiert.
Begreift doch Ihr Europäer, nicht zuletzt hat die Flüchtlingspolitik
der Bundeskanzlerin in Großbritannien geführt zu heftiger Kritik.
Ein Großteil der Entscheidung zum Brexit entstand aus Verdruss,
auch zauderndes Verhalten der EU führte zum Brexit-Beschluss.
Sollte Britanniens Hoffnung auf Vorteile beim Brexit zerbrechen
und würden stichhaltige Argumente gegen den Austritt sprechen,
der ganz Großbritanniens Bestand in seinen Grundfesten zerfetzt,
würde ein Rückzieher wohl von Elizabeths Untertanen geschätzt.
Was weder Briten noch wir Europäer haben zu glauben gewagt,
ist nun Realität geworden, wie Theresa May es zuvor hat gesagt.
Die Scheidung von der EU hat sie in Brüssel förmlich eingereicht,
Kritiker, Demos und Wirtschaftsproteste haben sie nicht erweicht.
Ohne Konzept für den Brexit, sprach May von einem kühnen Plan,
von der EU fordert sie ein Freihandelsabkommen von Anfang an.
Doch May beißt auf Granit bei allen 27 Regierungschefs der EU,
erst die Austrittskonditionen klären und alles, was gehört dazu.
Schwere Fehler im Scheidungsantrag an die EU sind zuzumessen
Theresa May, indem sie offen versucht hat, die EU zu erpressen.
Sie forderte strikt, vorrangig ein Handelsabkommen abzuschließen
andernfalls keine Informationen in Sicherheitsfragen mehr fließen.
Die Briten wollen die volle Kontrolle über die Einreise in ihr Land,
zugleich erhalten den Freihandel mit der EU auf jetzigem Stand.
Viele Firmen am Finanzplatz London sind ohne EU-Pass in Gefahr,
ein Banken-Exodus droht, ihre Verlagerung in die EU-Zone sogar.
Zehntausende Fragen zum Brexit sind zu klären in nur 2 Jahren,
May hätte die Briten aufklären müssen über Nachteile und Gefahren.
Selbst am kürzeren Hebel, verspricht sie eine große Zukunft ohne EU,
in Neuwahlen ihre Macht zu festigen, plante sie als ein Mittel dazu.
Statt grandiosem Sieg in Mays Brexit-Show, geplant als Highlight,
ging verloren die Unterhaus-Mehrheit der Tories durch Mays Torheit.
In ihrer Minderheitsregierung muss May nun um Mehrheiten zittern,
Brexit-Gegner und selbst Tories ihre Chancen zu Mays Sturz wittern.
Schon sind 6 Monate der Frist bis zur Scheidung sinnlos vergangen,
im UK lebende EU-Bürger müssen weiterhin um ihren Status bangen.
Obwohl die Regelung als Voraussetzung für Handelsabkommen gilt,
schaffen die Briten keine Fakten, sind offenbar gar nicht dazu gewillt.
Zahlungen von über 60 Milliarden Euro an die EU stehen offen,
ohne Schuldenbekenntnis wird keine Handelsvereinbarung getroffen.
Beharrlich versuchen die Briten, die Vorgaben der EU zu sabotieren,
zuerst die Finanzen zu regeln, dann den Freihandel zu diskutieren.
In Protesten beklagen Mays Gegner ihre „Repeal Bill“ als schlecht,
weil sie das EU-Recht überführen will in zentrales britisches Recht.
Doch würde drohen ein parlamentarischer Krieg, der Chaos beschert,
wenn das UK nach dem Brexit wichtiger Rechtsgrundlagen entbehrt.
Ein neuer Vorschlag Londons für eine zeitlich begrenzte Zollunion,
als Hilfe für die Wirtschaft gedacht, erzeugte bei der EU Aggression.
Mays Grundsatzrede zum Brexit machte vor allem eines klar:
Nicht konzessionsbereit, stellt sie neue Ansprüche an die EU sogar.
Sie bekräftigte Völkerfreundschaft, gemeinsamen Ziele und Werte,
und dass sich Militär- und Grenzsicherungskooperation bewährte.
Zu den Rechten der EU-Bürger, zur Irlandfrage und zum Finanzstreit
liefert sie keine Fakten, fordert aber 2 Jahre Brexit-Übergangszeit.
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Stand: 25.09.2017 – Irrtümer und Aktualisierungen vorbehalten

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Textbeitrag „Die 40 Fehler der Angela“

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