Viel wichtiger, als der Türkei Völkermord vorzuwerfen!

Foto: pixabay.com

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An dieser Stelle soll nicht geklärt werden, ob es gerechtfertigt ist, der Türkei vorzuwerfen, dass die Massaker an der armenischen Bevölkerung vor hundert Jahren (1915-1916) als Völkermord zu bezeichnen sind, ebenso wenig, ob die historischen Tatsachen dies belegen oder nicht. Die Ereignisse liegen viele Generationen zurück, jedoch hat Deutschland in dieser Zeit zum Einen die eindeutige Mitverantwortung für den Ausbruch des ersten Weltkrieges, in dessen Verlauf 17 Millionen Menschen unmittelbar durch die Kriegshandlungen, weitere Millionen an den Kriegsfolgen gestorben sind, zu tragen.

Zum Anderen wurde, gut zwanzig Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkrieges durch Adolf Hitler, vom deutschen Volke unterstützt oder zumindest gebilligt, der zweite Weltkrieg mit mindestens 66, wahrscheinlich aber bis zu 78 Millionen Toten entfesselt. Dafür hat Deutschland die historische Verantwortung zu tragen und deshalb sollten sich deutsche Staatsbürger auch mit Vorwürfen gegen andere Staaten, ob berechtigt oder nicht, eher zurückhalten oder besser ganz den Mund dazu halten.

Nicht, dass das Deutschland von heute eine unmittelbare Schuld daran tragen würde, nicht, dass heutige Generationen dafür verantwortlich wären. Aber es verhält sich so wie mit der Erbsünde, von der in der christlichen Religion die Rede ist, die uns im tiefsten Inneren belastet. Es waren immerhin unsere Vorväter, die sich zunächst vom Hitlerregime mitreißen ließen. Es waren zivilisierte Menschen Mitteleuropas, die aus verschiedenen Volksgruppen bestehend, im Deutschen Reich als Deutsche vereint, mitgemacht haben bei grausamen Kriegshandlungen und bei dem Völkermord an Juden, Sinti und Roma sowie an weiteren Opfergruppen, die vorsätzlich und gnadenlos hingeschlachtet wurden.

Der Gedanke daran, dass Menschen, von denen wir abstammen, dieses himmelschreiende Unrecht nicht wahrgenommen haben wollen und nicht dagegen eingeschritten sind, sollte uns heute noch zutiefst erschüttern und uns symbolisch vor Scham erröten lassen. Statt dessen kehren wir die Moralapostel gegenüber anderen Staaten heraus, was jedoch in der Weltöffentlichkeit leicht als ein Art Arroganz verstanden werden könnte: Deutschland hat ja bereut, hat wieder gutgemacht, hat sich grundlegend gewandelt und ist ein völlig anderer Staat als das Deutsche Reich geworden, der es zu höchstem Ansehen in der Welt gebracht hat.

Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

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Dass diese Einstellung nicht falsch ist, zeigt eine erste Reaktion aus Zentralafrika, in der Deutschland seinerseits Völkermord, begangen an den Stämmen der Herero und Nama, während des Kolonialkrieges in den Jahren 1904 bis 1908 vorgeworfen wurde. Nach Niederschlagung eines Aufstandes gegen die Deutschen in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, wurden zwischen 65.000 bis 85.000 Herero und etwa 10.000 Nama in die wasserlose Wüste verbannt oder in Konzentrationslager gepfercht, wo sie auf grausamen Weise verhungert, verdurstet oder an Schwäche oder Krankheiten gestorben sind.

Also sollte Deutschland in dieser Hinsicht lieber bescheiden und zurückhaltend auftreten, zumal sich durch den weltweit aufsehenerregenden Prozess gegen einen 93-jährigen KZ-Aufseher, der als Buchhalter von Auschwitz bezeichnet wird und als verhältnismäßig kleiner Handlanger beim Völkermord an den Juden beteiligt war, eindeutig erweist, dass hierzulande noch lange nicht alle Schandtaten des Dritten Reiches vollständig aufgearbeitet sind und das erstaunlicherweise mehr als 70 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen.

Deutschland würde es mit Sicherheit besser anstehen, auch und besonders wegen der offenen und schwelenden bewaffneten Auseinandersetzungen und Kriege, wegen der neuer Art der Bedrohung durch den Terrorismus und militanten Islamismus, aber auch wegen der latent vorhandenen Gefahr des erneuten Ausbruchs eines größeren Krieges, ein weithin sichtbares Zeichen der Erinnerung an die mindestens 85 bis 97 Millionen Toten beider Weltkriege, aber auch ein deutliches Zeichen gegen Krieg und Gewalt in der Welt zu setzen.

Die Bundesrepublik Deutschland, die ja auch internationalen Forderungen immer mehr Verantwortung in der Welt übernimmt, sollte ein großes internationales Memorial für die Toten aller teilnehmenden Nationen, das gleichzeitig als Tagungs- und Konferenzzentrum dienen kann, insbesondere für Verhandlungen zur Beilegung von bewaffneten Konflikten und Kriegen, errichten. Parallel dazu sollte ein internationales Museum der Weltkriege I und II eingerichtet werden, um die von den Politikern immer wieder beschworene Erinnerung an das Grauen, die Verwüstung und die totale Unmenschlichkeit für die kommenden Generationen, nicht nur über Fernsehen und digitale Medien, sondern materiell sichtbar, zu bewahren.

2myMind.de / g.m.


Dies sollte Politik und Bürger des Landes dazu bewegen, bald ein internationales Memorial für die Toten aller Teilnehmernationen beider Weltkriege zu errichten!


Gedenkstätte in Frankreich - Foto: pixabay.com

Gedenkstätte in Frankreich – Foto: pixabay.com

Gedenkstätte in Washington D.C. - Foto: pixabay.com

Gedenkstätte in Washington D.C. – Foto: pixabay.com

Link zum Beitrag: „Angemessenes Gedenken an 70 Millionen Weltkriegsopfer“

Link zum Beitrag: Vorschlag für „Angemessenes Gedenken an 70 Millionen Weltkriegsopfer“


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