Verheerende Auswirkungen für staatenlose Kinder

Foto: © UNHCR/Diana Diaz - Georgia sitzt mit ihren drei Kindern in ihrem Zuhause in Libyen. Die Kinder sind staatenlos, weil ihr Vater starb, bevor sie registriert werden konnten.

Foto: © UNHCR/Diana Diaz – Georgia sitzt mit ihren drei Kindern in ihrem Zuhause in Libyen. Die Kinder sind staatenlos, weil ihr Vater starb, bevor sie registriert werden konnten.

UNHCR – Genf – 03. November 2015

Ein UNHCR-Bericht zeigt, dass staatenlose Kinder auf der ganzen Welt unter Diskriminierung, Frustration und Verzweiflung leiden – Probleme, die über das Erwachsenwerden hinaus andauern.

Dieser erste länderübergreifende Bericht macht deutlich, dass staatenlose Kinder mit gemeinsamen Problemen konfrontiert sind, die ihre Möglichkeiten ihre Kindheit zu genießen, ein gesundes Leben zu führen und ihre Ziele zu verfolgen, maßgeblich einschränkt.

Viele der dutzenden jungen Menschen, die in sieben Ländern für den heute vorgestellten Report I am Here, I Belong: the Urgent Need to End Childhood Statelessness interviewt wurden, berichteten von der psychischen Last staatenlos zu sein. Sie beschreiben sich selbst als ‚unsichtbar‘, ‚fremdartig‘, ‚wie ein Straßenhund‘ und ‚wertlos‘.

Ein Jahr nach dem Start der #IBelong Kampagne zur Beendigung von Staatenlosigkeit betonte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres, dass der Bericht die Notwendigkeit hervorhebe, das Leiden staatenloser Kinder zu beenden. Alle 10 Minuten wird ein staatenloses Kind auf der Welt geboren.

„In der kurzen Zeit, in der Kinder einfach nur Kinder sein dürfen, kann Staatenlosigkeit Probleme manifestieren, die über die Kindheit hinaus wirken und die Betroffenen zu einem Leben voller Diskriminierung, Frustration und Verzweiflung verurteilen.“

Der Hochkommissar wird den Bericht am 3. November 2015 bei einer Podiumsdiskussion zur Bedeutung des Rechts auf Staatsangehörigkeit in der New Yorker UN-Zentrale vorstellen. Mehr als 250 Menschen, darunter Kinder, Jugendliche und ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten, wurden an der Elfenbeinküste, in der Dominikanischen Republik, in Georgien, in Italien, Jordanien, Malaysia und in Thailand im Juli und August 2015 befragt.

In dem Bericht erzählen die Kinder von den schwierigen Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben. Sie leben oftmals am Rande der Gesellschaft, ohne die staatsbürgerlichen Rechte, die für die meisten Menschen gelten. Staatenlose Kinder sagen, dass sie häufig als Fremde wahrgenommen und behandelt werden, obwohl sie bereits ihr ganzes Leben in dem Land verbracht haben.

Staatenlosen jungen Menschen können selten Schulabschlüsse erwerben, zur Universität gehen oder eine angemessene Arbeit finden. Sie sind Diskriminierung und Schikane durch Behörden ausgesetzt und sind von Ausbeutung bedroht. Das Fehlen einer Staatsbürgerschaft bedeutet für die Betroffenen und ihre Familien in vielen Fällen ein Leben in Armut und eine Marginalisierung über Generationen hinweg.

Staatenlosigkeit beeinträchtigt zudem die Zukunft der Jugendlichen. Eine Frau in Asien berichtete UNHCR-Mitarbeitern, dass es für sie unmöglich sei einen Job als Lehrerin auszuüben, weil sie staatenlos ist. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als in einem lokalen Geschäft zu arbeiten. „Ich möchte meinem Land mitteilen, dass es viele Menschen wie mich hier gibt.“

UNHCR ruft mehr Staaten dazu auf die im November 2014 gestartete Kampagne zur Beendigung von Staatenlosigkeit zu unterstützen. Seit dem Kampagnenstart hat sich die internationale Gemeinschaft hinter die regionalen Initiativen und Maßnahmen von Staaten gestellt.

Um Staatenlosigkeit zu beenden, ruft UNHCR alle Staaten gezielt dazu auf, die folgenden Maßnahmen zu ergreifen:

Kindern muss die Nationalität des Geburtslandes gewährt werden, wenn sie andernfalls staatenlos wären.

Gesetze müssen reformiert werden, sollten sie nicht die gleichen Rechte für die Übertragung der Staatsbürgerschaft auf das Kind durch Mutter und Vater vorsehen.

Gesetze und Verfahren müssen abgeschafft werden, wonach Kindern die Staatsbürgerschaft aufgrund ihrer Ethnie, Rasse oder Religion verwehrt bleibt.

Die Registrierung der Geburt jedes Kinders muss sichergestellt werden.

UNHCR – Genf

Hinterlass Deine Meinung