UNHCR: Mehrheit der Syrer flieht direkt nach Europa

Foto: © UNHCR / I.Prickett - Afeesh und Rasha, zwei syrische Flüchtlinge, umarmen ihre Töchter kurz nach ihrer Ankunft auf Lesvos, Griechenland.

Foto: © UNHCR / I.Prickett – Afeesh und Rasha, zwei syrische Flüchtlinge, umarmen ihre Töchter kurz nach ihrer Ankunft auf Lesvos, Griechenland.

UNHCR – Genf – 10. Dezember 2015.

UNHCR hat am 8. Dezember die vorläufigen Ergebnisse einer Befragung von über 1.200 syrischen Flüchtlingen veröffentlicht, die zwischen April und September 2015 in Griechenland angekommen sind. Diese bisher größte Stichprobe ermöglicht Einblicke, wer die Menschen sind und aus welchen Gründen sie nach Europa kommen.

Zwischen April und September befragten UNHCR-Mitarbeiter 1.245 Syrer, die kurz zuvor in Griechenland angekommen waren. Neben der Sammlung grundlegender Daten, war es das Ziel ein vorläufiges Profil der Neuankömmlinge zu erstellen, um die Unterstützung durch Behörden, UNHCR und andere Organisationen besser auf die Bedürfnisse der Menschen abzustimmen.

Der Großteil (63 Prozent) ist 2015 aus Syrien geflohen. 85 Prozent erreichten Griechenland bei ihrem ersten Versuch. Aus Syriens größten Städten – Damaskus und Aleppo – stammen über 62 Prozent der befragten Personen. 86 Prozent besitzen ein gutes Bildungsniveau, haben entweder eine weiterführende Schule oder Universität besucht und waren Studenten, Fachkräfte, darunter Lehrer, Anwälte, Ärzte, Bäcker, Designer, Friseure und IT-Spezialisten.

Mindestens 37 Prozent der Befragten hielten sich weniger als einen Monat in einem Erstzufluchts- oder Transitland auf. Die große Mehrheit – 91 Prozent – der Personen, die zuerst außerhalb Europas Zuflucht gefunden hatten, waren in Privatunterkünften und nicht in Flüchtlingscamps untergekommen.

Fast ein Viertel der Befragten gab an, dass Familienangehörige in Syrien vermisst würden. Einer von fünf Befragten war bereits in Syrien von einem oder mehreren Familienangehörigen getrennt worden.

Ein besseres Verständnis für die Beweggründe von Flüchtlingen zu entwickeln, ist entscheidend, um Verantwortlichkeiten zwischen EU-Mitgliedsstaaten und Erstzufluchtsländern besser zu verteilen. UNHCR ruft  Europa dazu auf, Flüchtlingen sichere und legale Wege zu eröffnen, damit sie nicht gezwungen sind sich auf Bootsüberquerungen in tödliche Gefahr zu bewegen. Solche Alternativen können Studenten- und Arbeitsvisa, Familienzusammenführungen, privatfinanzierte Aufnahmeprogramme, zusätzliche Resettlement-Plätze oder humanitäre Visa sein.

Auch wenn die Ergebnisse nur teilweise repräsentativ sind, liefern sie erste Informationen über jene 263.000 Flüchtlinge, die zwischen April und September 2015 in Griechenland angekommen sind. Die meisten Flüchtlinge hielten sich nur kurz in Griechenland auf und reisten schnell weiter; weshalb für die Befragungen nur wenig Zeit blieb. Die gesammelten Daten zeigen aber auch, dass noch weitere Befragungen und Analysen für eine angemessene Planung und Kordination der Nothilfe notwendig sind, in die auch verstärkt die Interessen und Sorgen der Flüchtlinge einbezogen werden.

UNHCR wird mit einer zweiten und dritten Befragungswelle Ende Dezember 2015 beginnen, in denen dann auch andere Gruppen von Schutzsuchenden berücksichtigt werden, um eine größere Auswahl an verlässlichen Daten zu generieren, die letztlich dazu beitragen, die Koordination der Nothilfe in Europa sowie den Erstaufnahmeländern zu verbessern.

UNHCR – 10. Dezember 2015.

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