Special: 40.000 Tote im Jahr durch Krankenhauskeime

Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de

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Nach Meldungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) infizieren sich etwa 1 Million Patienten im Jahr mit Keimen.Vierzigtausend von ihnen bezahlen die Hygienemängel mit ihrem Leben, wobei fünfzig Prozent der Infektionen in den Krankenhäusern zu vermeiden wären.

Obwohl die Kliniken zweckbestimmte Gelder zur Durchführung von Hygienemaßnahmen nach dem verschärften Infektionsschutzgesetz bekommen, verwenden sie diese im Zuge der Sparmaßnahmen, nur eben häufig nicht für die Hygiene. 


Gefahr von Infektionen im Krankenhaus verringern

Foto: Cornelia Menichelli / pixelio.de

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Infektionen, die sich Krankenhaus-Patienten auf der Intensivstation zuziehen, gehören zu den häufigsten Komplikationen. Ursache ist meist die eigene natürliche Bakterienflora, aber auch Krankenhauskeime. Jeder Patient kann jedoch auch selbst dazu beitragen, die Gefahr einer Infektion möglichst gering zu halten. „Wer eine Operation vor sich hat und raucht oder gerne Alkohol trinkt, sollte diese Genussmittel möglichst meiden“, rät der Aachener Infektiologe Professor Sebastian Lemmen. „Bei Rauchern und Menschen, die viel Alkohol trinken, können Keime leichter in den Körper eindringen und sich dort ausbreiten, weil ihr Immunsystem schlechter arbeitet. Das gilt auch für Übergewichtige. Jedes Pfund weniger reduziert das Infektionsrisiko.“

Zu den häufigsten Krankenhaus-Infektionen gehören Harnwegsinfektionen, verursacht durch einen Blasenkatheter, gefolgt von Atemwegsinfektionen und Wundinfektionen nach einer Operation. „Sie alle können den Zustand eines Patienten erheblich verschlechtern und den Heilungsprozess verzögern“, so Lemmen, Ärztlicher Leiter des Zentralbereichs Krankenhaushygiene und Infektiologie am Uniklinikum Aachen ist. „Da jeder Mensch, sowohl Patienten als auch das medizinische Personal, Keime mit sich herumträgt, sind nicht alle Infektionen vermeidbar. Aber mit den richtigen Hygienemaßnahmen können wir die Zahl der nosokomialen Infektionen um etwa 30 Prozent senken.“ Die wichtigste Maßnahme, und das nicht nur auf der Intensivstation, sei die Desinfektion der Hände.

Annette Bulut (glp)


Krankenhauskeime aus der Luft bekämpfen

Die immer häufiger werdenden Infektionen mit multiresistenten Keimen erfordern eine alternative Erregerbekämpfung. Eine vielversprechende neue Substanz wirkt per Vernebelungsverfahren.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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Die Zahl der Infektionen mit multiresistenten Erregern wächst stetig. Besonders die gefürchteten Krankenhauskeime (MRSA) geraten immer häufiger in die Schlagzeilen. Was sie so gefährlich macht, ist ihre Resistenz gegenüber bestimmten Antibiotika: Die Medikamente wirken bei einer Infektion mit MRSA-Keimen häufig einfach nicht. Aus einer Krankenhausstudie des Bundesgesundheitsministeriums geht hervor, dass die Zahl der als resistent betrachteten Keime in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent bis 200 Prozent angestiegen ist. Schon jetzt sterben in Deutschland jährlich etwa 15 000 Patienten infolge einer MRSA-Infektion.

Ein neues Verfahren, das auch die Bundesregierung fördert, könnte den Keimen nun gefährlich werden. Kern der Vorgehensweise ist die mikrofeine Zerstäubung eines Wirkstoffs (L.O.G.), der aus milchähnlichen Bestandteilen besteht und nachweislich gegen Viren, Bakterien, Keime, Schimmelpilze, Salmonellen und andere schädliche Krankheitserreger wirkt. Ein Vernebelungsverfahren transportiert den Stoff in die Luft. Aufgrund verschiedener Teilchengrößen des Wirkstoffs bleibt ein Teil des L.O.G. permanent in der Luft, ein anderer Teil setzt sich auf den Oberflächen ab. Das sorgt sowohl für einen Schutz vor Keimen in der Luft als auch für eine Oberflächenbehandlung gegen Erreger.

Das Verfahren eignet sich gleichermaßen für den privaten Bereich wie auch für die Anwendung in Kliniken oder Pflegeheimen. Der Wirkstoff gilt als unbedenklich. Fachleute in der Lebensmittelhygiene setzen das Mittel bereits seit längerer Zeit erfolgreich ein.

Sara Tsantidis (glp)


Krankenhauskeime bedrohen Patienten in ganz Europa

by-sassi / pixelio.de

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Krankenhauskeime stellen ein immer größeres Problem dar. Jährlich infizieren sich rund 3,2 Millionen Menschen in Europa. Laut einer aktuellen Studie sind Intensivstationen die Abteilungen mit dem größten Risiko. Im europäischen Durchschnitt erleiden 19,5 Prozent aller Intensivpatienten mindestens eine Infektion der Atemwege und der Blutbahn. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die jetzt auf dem „European Health Forum Gastein“ (EHFG) vorgestellt wurde, wie aerzteblatt.de berichtet. An der Untersuchung nahmen rund 1 000 Krankenhäuser aus sämtlichen 28 EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen und Island teil. „Der Gefahrenherd der Krankenhauskeime stellt ein großes öffentliches Gesundheitsproblem dar und bedroht die Patienten-Sicherheit in Europa“, zitiert das Fachblatt den Direktor des „European Centre for Disease Prevention and Control“, Marc Sprenger.

Annette Bulut (glp)


Prävention als Schlüssel im Kampf gegen Krankenhauskeime

AOK Mediendienst

AOK Mediendienst

Zu etwa 800 000 Krankenhausinfektionen kommt es in deutschen Kliniken jedes Jahr. Immer häufiger entwickeln Krankenhauskeime Resistenzen gegen die gängigen Antibiotika. Allein durch den Keim Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) sterben nach Expertenschätzungen jährlich bis zu 1 500 Patienten.

Die zunehmenden Antibiotikaresistenzen stellen die Krankenhaushygiene vor gewaltige Herausforderungen. „Wir beobachten für den Berliner Raum eine Zunahme des Nachweises von Oxacillinresistenten Staphylococcen um 250 Prozent seit 2001“, erklärte Dr. Marlies Höck, Leiterin des Instituts für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene an den DRK Kliniken Berlin. Gelangt bei einer Operation etwa

ein solcher Erreger in eine Wunde, sind die ursprünglich harmlosen Keime häufig kaum noch zu behandeln und unter Umständen lebensbedrohlich.

Mindestens ein Drittel aller Krankenhausinfektionen ließen sich durch ein optimiertes Hygienemanagement vermeiden. Über entsprechende Maßnahmen hat jetzt eine Expertenrunde im Unfallkrankenhaus Berlin (ukb) diskutiert. „Infektionsprävention beginnt im Kopf. Das Wissen um die Problematik ist schon der erste Schritt der Qualitätssicherung“, meinte Professor Axel Kramer dazu und stellte seinen interdisziplinären „Greifswalder Lösungsansatz“ zur Bekämpfung von MRSA vor. Dazu gehört unter anderem das Screening aller Patienten auf Risikostationen und Screening der Risikopatienten in den übrigen Bereichen mit PCR-Schnelltest, Schutzisolierung bis zum Vorliegen des Screeningergebnisses und der Aufbau von „Multibarrieren-Strategien“, wozu das Ausschließen aller potenziellen Übertragungswege gehört.

Zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen können auch die Besucher der Patienten beitragen. Hilfreich ist bereits, sich vor dem Zutritt zum Patientenzimmer die Hände zu waschen. Werden auf den Stationen Desinfektionsmittel zum allgemeinen Gebrauch bereitgestellt, sind diese zu nutzen. Auch bei Verlassen des Krankenhauses kann die Handhygiene nicht schaden. Generell sind die Schutzmaßnahmen in Hospitälern stets zu respektieren und einzuhalten.

Silke Koppers (glp)


Infektionsschutzgesetzt: Kliniken mangelt es an technischer Voraussetzung

Probleme gibt es bei der Umsetzung des aktualisierten Infektionsschutzgesetzes. Den meisten Kliniken in Deutschland fehlt es an den technischen Voraussetzungen.

Foto: AOK-Mediendienst

Foto: AOK-Mediendienst

Bis zu zwölf Menschen sterben jeden Tag in Deutschland an einer Krankenhausinfektion. Eine der Ursachen ist mangelnde Hygiene an Kliniken, weshalb das Infektionsschutzgesetz (IfSG) jüngst überarbeitet wurde und die Krankenhäuser unter anderem dazu verpflichtet, Hygieneärzte zu beschäftigen und Infektionen früher zu melden.

Das wird von Experten zwar begrüßt, dennoch mangelt es mehr als drei Viertel der Kliniken hierzulande an Instrumente für einen besseren Infektionsschutz. Zwar haben Studien belegt, dass gezieltes Desinfizieren der Hände und das Tragen von Einweghandschuhen des Klinikpersonals hilft, doch diese Maßnahmen werden nicht stringent kontrolliert. Es fehlen Erfassungssysteme, die einfache Maßnahmen wie Handhygiene und den Verbrauch an Desinfektionsmitteln überprüfen.

Hinzu kommt das Problem der zunehmenden Antibiotikaresistenzen, die mit Hygienemaßnahmen nicht zu bekämpfen sind. Ursache hierfür ist der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika: Viele Patienten erhalten Antibiotika, obwohl keine Infektion mit Bakterien vorliegt. Da helfen nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) elektronische Erfassungssysteme, die die Gabe von Antibiotika (PDMS) kontrollieren und registrieren. Nur damit sei die weltweite Ausbreitung gefährlicher Erreger zu überwinden. Ohne diese und weitere Qualitätsmerkmale sei das überarbeitete Infektionsschutzgesetz zum Scheitern verurteilt. Bislang verfügen aber noch nicht einmal 20 Prozent der Intensivstationen in Deutschland über ein PDMS. Ein anderes Instrument, das im Infektionsschutzgesetz nicht enthalten ist, sind sogenannte Stewardship-Programme. Sie sehen vor, dass Experten in Kliniken den sinnvollen Einsatz der Antibiotika durch Empfehlungen und Überwachung steuern. Zur Unterstützung hat die DGAI zusammen mit anderen Fachgesellschaften die Internetplattform www.dgai-abx.de entwickelt.

Welche Lücken die DGAI in der Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht, und wie sie verhindern will, dass Deutschland in eine neue Ära der Behandlung von Infektionen ohne Antibiotika zurückfällt, diskutieren Experten auf dem diesjährigen Hauptstadtkongress der DGAI.

Silke Koppers (glp)

 

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Die Redaktion fragt:
Wird von den Krankenhäusern genug getan, um Infektionen zu verhindern?

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