Soziales Engagement für alte Menschen

Warum bestehen kaum gemeinnützige Privatinitiativen zur Unterstützung
bedürftiger und einsamer alter Menschen in unserer Gesellschaft?

Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

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Bekanntlich leben wir nicht nur in einer Konsumgesellschaft, sondern in einer immer noch praktizierenden Wegwerfgesellschaft, die trotz schwierigster wirtschaftlicher Verhältnisse im europäischen Umfeld, nichts dazulernt. Diese Gewohnheiten treffen aber auch in geradezu erschreckendem Ausmaß auf unser persönliches Verhalten gegenüber vielen alten Menschen zu.

Das Thema “Altersarmut” geistert seit geraumer Zeit durch fast alle Medien und hat unter den vielen Themen in der Politik inzwischen seinen festen Platz erobert. Dabei ist meist lediglich von “drohender Altersarmut” die Rede, obwohl real existierende Altersarmut längst in Kreisen der Rentner, besonders unter der Frauen, verbreitet ist.

Aber nicht nur die Altersarmut unter den alten Menschen ist beängstigend, zumal das Missverhältnis der arbeitenden Bevölkerung, welche die aktuellen Renten finanzieren muss, gegenüber der steigenden Zahl immer älter und unter Umständen kränker werdender Menschen immer mehr zunimmt. In der Konsumgesellschaft werden die Alten nicht selten, wenn sie ihren persönlichen Beitrag gegenüber der eigenen Familie und der Gesellschaft geleistet haben, wie Konsumgüter entsorgt. Sie fristen ihr Dasein vereinsamt, solange es geht, in den eigenen vier Wänden, danach oft genug vergessen und abgeschoben in Alten- oder Pflegeheimen. Häufig kümmern sich die eigenen Verwandten nicht mehr als gelegentlich um sie und es bestehen kaum mehr soziale Kontakte, geschweige denn eine echte Einbeziehung in die eigene Familie oder einen früheren Freundeskreis.

Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de

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Sicher gibt es vielerorts soziale Einrichtungen von Gemeinden, Kirchen und Wohlfahrts-Verbänden, welche notwendige Hilfe und erforderlichenfalls Pflege vor Ort übernehmen. Aber das erreicht wohl auch nur einen geringen Teil der Alten. Die Bewohner von Heimen sind vielfach auf die mageren Angebote der Heimbetreiber angewiesen und somit nicht selten schlimmer dran als die alten Menschen in ihren eigenen Wohnungen. Oft genug fehlt es wegen angeblichen Geldmangels der Betreiber an vielleicht nur kleinen, aber dringend benötigten Dingen, die den Alten das Leben erleichtern oder ihre Situation verbessern könnten.

Ausreichend Abwechslung, Bewegung, Beschäftigung, kleine Ausflüge und Besuche von Veranstaltungen sind sowohl für die allein lebenden Menschen wie für die Heimbewohner größtenteils nur Wunschträume. Dabei ist die Rede weniger von den privilegierten Bewohnern nobler Komfort-Altersheime oder Senioren-Residenzen, obwohl persönliche Vereinsamung sicher auch dort zu einem ebenso deprimierenden Thema werden kann.

Foto: via pixabay

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In einer kleinen Internetrecherche zu diesem Beitrag haben wir gezielt nach privaten Wohltätigkeits-Einrichtungen und gemeinnützigen Vereinen zur Unterstützung alter Menschen gesucht und sind zu dem erschreckenden Ergebnis gelangt, dass Einrichtungen, die über eine städtische oder kirchliche Gemeinde hinaus tätig sind, so gut wie gar nicht in Deutschland existieren. Obwohl es eine Vielzahl gemeinnütziger, kinder-, tier- oder naturschutzbezogener Institutionen gibt, hat es unser Land offenbar nicht nötig, für unsere alten Menschen auch auf der Ebene von Privatinitiativen etwas zu tun.

Gerade weil unser Blick auf diesen haltlosen Zustand gefallen ist, der wohl den meisten Bürgern des Landes bekannt ist, aber trotzdem tatenlos hingenommen wird, muss unser aller Bewusstsein geschärft werden. Deshalb sehen wir uns veranlasst, auf zwei bemerkenswerte Einrichtungen, die beweisen, dass mit entsprechender Privatinitiative mehr für die Alten getan werden kann, aufmerksam zu machen:

Unter dem Motto “Armut lindern – Hilfe leisten – Jeden Tag!” betreut der Verein Lichtblick Seniorenhilfe e.V. in München nach eigenen Angaben in München, Bayern und ganz Deutschland mehr als 2.000 bedürftige Rentner. Finanzielle Soforthilfe in dringenden Fälle, Befreiung von medizinischen Zuzahlungen, über 1.000 Patenschaften und Veranstaltungen für Rentner stehen unter anderem auf der Agenda des Vereins. Als Teilnehmer von “Startsozial” wurden seine Aktivitäten 2007 von Bundeskanzlerin Angela Merkel geehrt.

Der von der Schauspielerin Mariella Ahrens gegründete “Lebensherbst e.V. – Verein zur Unterstützung pflegebedürftiger, älterer Menschen” in Berlin unterstützt Alten- und Pflegeeinrichtungen in Berlin und bundesweit, verfolgt eigene Projekte und errichtet “Senioren-Treffpunkte”. Schirmherrin Mariella Ahrens erhielt für die Gründung und Leistung des Vereins bereits eine Reihe von Auszeichnungen.

Es mag sein, dass es weitere gemeinnützige Privatinitiativen gibt, die sich dem Ziel, für alte und bedürftige Menschen, über einen kleinen Regionalbereich hinaus, Hilfe und Unterstützung zu leisten, verschrieben haben. Wenn das zutrifft, sind sie jedenfalls äußerst schwer zu finden. Diese Initiativen und ihr Wirken durch die Veröffentlichung von Beiträgen und weiter im Rahmen von Leser-Kommentaren und Diskussionen bekannt zu machen, ist eines der Ziele unseres Portals.

Gerade den heute alten Menschen verdanken wir doch alle nicht nur unser Leben, unsere Versorgung und Erziehung während der Kindheit und Jugend, sondern volkswirtschaftlich in der Gesamtheit gesehen, den gesamten Zustand, die wirtschaftliche Entwicklung und den Wohlstand unseres Landes.

2myMind.de / g.m.

 

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Die Redaktion fragt:
Werden die alten Menschen von der Gesellschaft genügend unterstützt? Oder sollten sich mehr jüngere Menschen für die Unterstützung und Betreuung Alter engagieren?

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