Quecksilber-Belastung durch Kohlekraftwerke unbekannt

Foto: FotoHiero / pixelio.de

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Dass sich Braunkohle-Kraftwerke nicht gerade durch ihre Umweltfreundlichkeit auszeichnen, ist gemeinhin bekannt. Dass sie aber große Mengen hochgiftigen Quecksilbers ausstoßen, davon haben vier von fünf Deutschen noch nie etwas gehört, ergibt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid. Dabei sind Braunkohlekraftwerke laut Greenpeace für rund 50 Prozent der deutschen Quecksilberemissionen verantwortlich. Auch die Gesundheitsgefahr für Kinder durch mit Quecksilber belastete Fische sei der Mehrheit der Deutschen unbekannt.

Quecksilber wird laut der Umweltschutz-Organisation über die Nahrungskette und speziell über den Verzehr von belastetem Fisch aufgenommen. „Die Menschen in Deutschland und Europa müssen endlich vor dem Gift aus Kohlekraftwerken geschützt werden. Die Grenzwerte müssen sich an den saubersten Kraftwerken orientieren, statt wie bislang an den schmutzigsten“, sagt Greenpeace-Energie-Experte Andree Böhling. Daher müsse sich die Bundesregierung für schärfere Grenzwerte insbesondere bei alten Braunkohle-Kraftwerken einsetzen.

Quecksilberverbindungen sind für den Menschen hoch toxisch. Schon geringe Mengen können vor allem im Gehirn und im Nervensystem von Föten und Kindern irreparable Schäden verursachen. Dadurch werde die geistige Entwicklung von Kleinkindern beeinträchtigt. Das gilt allerdings nur beim „übermäßigen Konsum“ bestimmter Fischarten wie Schwertfisch, Thunfisch und Marlin. Wissenschaftler warnen gar vor einem schleichenden Intelligenzverlust.

Die USA haben Grenzwerte für Kohlekraftwerke inzwischen deutlich verschärft. Auch die EU arbeitet derzeit an neuen Vorgaben. Doch die jüngsten EU-Vorschläge bleiben weit hinter den US-Grenzwerten zurück. Mit 10 Mikrogramm dürften bestehende Braunkohle-Kraftwerke in der EU auch nach 2020 im Jahresmittel mehr als doppelt so viel Quecksilber pro Kubikmeter Abluft ausstoßen wie in den USA ab April 2015. Der Ausstoß giftiger Schadstoffe in der EU würde so kaum gesenkt. Und das, obwohl sich der Quecksilberausstoß in Deutschland nach Aussagen des Umweltbundesamtes in wenigen Jahren halbieren ließe, wenn die beste verfügbare Technik in Kohlekraftwerken zum Einsatz käme.

Thomas Schneider (en-wid)

 

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