Pferdefleisch-Skandal

Pferdefleisch ist generell gesund, aber auch, wenn der Verbraucher betrogen wurde?

Foto: pixabay.com

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Auch wenn Pferdefleisch ein relativ mageres und dabei gesundes Lebensmittel ist, sollte es kein Verbraucher verzehren müssen, wenn er sich nicht freiwillig dazu entschlossen hat. Manch einer, der Pferde als besonders edle Tiere schätzt, wird allein schon deshalb nicht auf den Gedanken kommen, deren Fleisch zu essen, ebenso wie es in unserer Kultur allgemein undenkbar ist, Katzen oder Hunde zu verspeisen. Wer es dennoch mag, kann es sich ja gern beim Rossschlachter kaufen und genießen.

Eine Serie von Skandalen schreckte die Verbraucher Anfang 2013 auf, als die Medien meldeten, dass Rindfleisch und Rindfleischprodukte teilweise bis zu einhundert Prozent aus undeklariertem Pferdefleisch bestanden. Der Riesenwirbel um Pferdefleischanteile in verarbeiteten Fleischwaren, der in vielen Ländern Europas nach Entdecken des Skandals entstanden war, drehte sich jedoch nicht um Gammelfleisch, sondern um Fleisch vermeintlich gesunder Tiere, bei denen keine besonders ungewöhnlichen Antibiotikarückstände zu verzeichnen waren.

Ausgerechnet in England, wo der Verzehr von Pferdefleisch als tabu gilt, wurden Mitte Januar 2013 Produkte mit Pferdefleischanteilen entdeckt, ebenso in Irland. Eine ganze Serie von Skandalen schloss sich an, nachdem am 08. Februar 2013 in den Medien über Pferdefleischanteile berichtet wurde, die in Tiefkühl-Fertiggerichten der Marke Findus nachgewiesen worden waren. Hersteller war das französische Unternehmen Comigel, das sich selbst als führender Lieferant in Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Skandinavien, Luxemburg, Österreich und Zentraleuropa sieht. Sicher ist, dass der deutschen Markt tatsächlich auch beliefert wurde.

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Am 15. Februar 2013 wurde gemeldet, dass das französisches Fleischhandelsunternehmen Spanghero Pferdefleisch als Rindfleisch verkauft hatte, das es als Hackfleisch von einem Fleischhandel mit Sitz in Zypern erworben hatte. Dieses Unternehmen gehört einer Gesellschaft, die auf den British Virgin Islands registriert ist und deren Geschäftsführer ein niederländischer Fleischhändler ist, der bereits im Januar 2012 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war, weil er von 2007 bis 2009 tonnenweise Pferdefleisch aus Argentinien, Brasilien und Mexiko importiert und als Rindfleisch an französische Firmen weiterverkauft hatte.

Das verkaufte Fleisch stammte wohl aus rumänischen Schlachthöfen und wurde auf den schwer nachvollziehbaren Umwegen zur Weiterverarbeitung nach Frankreich geliefert. Der niederländische Fleischhändler behauptete allerdings, das Fleisch, korrekt auf den Etiketten deklariert, als Pferdefleisch verkauft zu haben, wohingegen das französische Unternehmen versicherte, europäisches Rindfleisch eingekauft zu haben.

Am 18.02.2013 wurde bekannt, dass neben den bereits erwähnten Pastagerichten auch alle Produkte, die Bolognese enthalten, sowie die Dosengerichte „Rinder-Gulasch“ und „Chili con Carne“ betroffen waren. Anbieter dieser mit Pferdefleisch versetzten Lebensmittel in Deutschland waren Aldi, Edeka, Eismann, Kaiser´s Tengelmann, Lidl, Metro Cash & Carry, Real, Rewe Dortmund, Rewe Group sowie weitere Unternehmen.

Nach einer gewissen Beruhigung flammte die Skandalserie am 10.04.2013 erneut auf. Niederländische Behörden riefen 50.000 Tonnen verdächtige Fleischlieferungen einer Firma zurück, weil der Verdacht bestand, dass sich darunter nicht deklariertes Pferdefleisch befinden könnte. Die Ware war von dem niederländischen Großhändler an insgesamt 340 Fleischverarbeitungsbetriebe in verschiedene europäische Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien geliefert und mit ziemlicher Sicherheit bereits schon verarbeitet worden.

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Einen Tag später, am 11.04.2013 wurde bekannt, dass 124 Lebensmittelfirmen, Händler und Metzger in 14 deutschen Bundesländern seit 2011 von dem niederländischen Betrieb beliefert worden waren und somit möglicherweise von dem neuen Pferdefleischskandal betroffen sind. Am 22.04.2013 wurde veröffentlicht, dass 20 Prozent der Proben aus einem anderen holländischen Großhandelsbetrieb Pferdefleisch enthielten. Es wurde nicht bekannt, ob das zurückgerufene Fleisch vorher kontrolliert worden war, Medikamentenrückstände enthielt oder von kranken Tieren stammte. Der Rückruf war wohl auch eher symbolisch zu verstehen, denn es war zu bezweifeln, dass von den Waren noch größere Mengen sicherzu stellen sein würden.

Am 19.04.2013 meldeten die Medien, dass statt ursprünglich angenommener 450 tatsächlich 620 Tonnen möglicherweise falsch deklarierten Fleisches in Niedersachsen gelandet waren, wobei insgesamt zwölf Fleischverarbeitungsbetriebe von Januar 2011 bis Ende Februar 2013 Fleischlieferungen von dem holländischen Großhändler erhalten hatten. Zum Glück erwies sich inzwischen der Verdacht, dass das Pferdefleisch von Medikamentenrückständen belastet gewesen sein könnte, als weitestgehend unbegründet.

Die von der EU-Kommision daraufhin vollmundig angekündigte Verschärfung der Deklarationsvorschriften wurde im Herbst 2013 allerdings als zusätzlicher Kostenfaktor, welcher das Fleisch für den Verbraucher um die Hälfte teurer werden ließe, zurückgenommen. Somit bleibt in dieser Hinsicht alles beim Alten und es ist abzuwarten und zu hoffen, dass uns weitere böse Überraschungen dieser Art erspart bleiben. Wir benötigen schließlich alle etwas Luft und Zeit zum Erholen, damit wir die nächsten zu erwartenden Skandale in anderen Lebensmittelbereichen besser verkraften können.

2myMind.de / g.m.

 

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Die Redaktion fragt:
Schmeckt Dir Pferdefleisch, das falsch deklariert als Rindfleisch verkauft wird?

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