Mondpreise: Unfaire Preiskalkulation im Einzelhandel

Foto: La-Liana / pixelio.de

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Dass der Handel, insbesondere der Einzelhandel, seine Preise für den Verkauf an die Endverbraucher überhaupt kaufmännisch kalkuliert, dürfte ein Gerücht sein, zumindest aber, dass er sie seriös kalkuliert. Zu beobachten ist, dass der Großteil der Waren im niedrigere Preisbereich zu Preisen angeboten wird, deren Nachkommastellen sehr häufig mit einer „9“, also auf X,X9 – X,90 oder X,99 enden. Gelegentlich sind auch entsprechende Kombinationen mit der „8“, wie X,X8 – X,80 oder X,98 zu finden.

Preise im zweistelligen Eurobereich enden selten auf den vollen Euro aufgerundet, sondern werden eigentlich fast durchweg mit XX,80 – XX,90 – XX,98 oder XX,99 beziffert. Erst im dreistelligen Eurobereich werden auch aufgerundete Beträge verlangt, wobei diese aber zum größten Teil mit XX8,00 oder XX9,00 enden.

Beispiele: 0,59 – 0,79 – 0,99 – 1,59 – 4,99 – 9,99 – 19,90 – 49,90 – 79,90 – 129,00 – 148,00 – 199,00 Euro

Wahrscheinlich erwartet der Handel von den Verbrauchern auch noch aufrichtige Dankbarkeit dafür, dass er so „hart kalkuliert“ und die Preise nicht, wie es kaufmännisch korrekt wäre, zu einem runden Euro-Endbetrag aufrundet.

Allerdings dürfte den meisten Verbrauchern der Trick des Handels bewusst sein, damit lediglich den Anschein zu erwecken, dass ein Produkt weniger kostet. Es soll suggeriert werden, dass der Preis eigentlich eine Stufe niedriger,  unterhalb einer instinktiv abschreckenden Preisschwelle, angesiedelt ist. 19,.. Euro und irgendetwas wird vom Verbraucher als wesentlich günstiger empfunden als 20,00 Euro. Auch wenn es nur ein paar Cent sind, fällt er regelmäßig darauf herein, aber eine Wahl hat er ja ohnehin nicht.

Doch fragen sich die Verbraucher auch mal ernsthaft, wie diese vorgeblichen Kalkulationen, die tatsächlich gar keine ehrlichen Kalkulationen, sondern willkürliche Preisfestsetzungen sind, zustande kommen?

Eine ehrliche Kalkulation, z.B. bei Herstellern oder Dienstleistern, deren Produkte und Leistungen nur zu knallhart kalkulierten Preisen konkurrenzfähig an den Mann zu bringen sind, berücksichtigt alle betriebswirtschaftlich relevanten Kosten, die eine Firma zu tragen hat. Das fängt an beim Einkaufswert von Rohprodukten und Komponenten, geht über Transport- und Lagerkosten sowie interne und gegebenenfalls externe Bearbeitungskosten bis zu den erforderlichen Herstelleraufschlägen, die je nach Produktgruppe unterschiedlich sein können. Letztlich ist der Vertriebsaufwand nicht zu vergessen. Heraus kommen dabei in den meisten Fällen Preise, die scharf kalkuliert sein müssen und die auf völlig unterschiedliche Endbeträge hinter dem Komma enden, weil sie sonst nicht konkurrenzfähig sind.

Vom Einzelhandel, vorwiegend den Großen der Branche, ist bekannt, dass er die Hersteller oder Großhändler der Waren bis auf Zehntelstellen hinter dem Komma ausquetscht. Damit kommen mit Sicherheit keine Einkaufspreise zustande, die bei ehrlichen, prozentual gleich hohen Preisaufschlägen für vergleichbare Produkte und Produktgruppen ausgerechnet immer Endbeträge ergeben, die auf die besagten X,X9 – X,90 – X,99 enden.

Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass der Handel den Verbrauchern seine Waren zu willkürlich ausgedachten Mondpreisen anbietet. Je höher die Preise für eine Gruppe von Produkten, desto offensichtlicher wird die Trickserei. Wie ist es möglich, dass z. B. Fahrräder bei Discountern in gestaffelten Preisen für 199,00 – 249,00 – 299,00 Euro angeboten werden und dass auch im Fachhandel die meisten Räder zu Preisen von etwa 399,00 – 499,00 – 599,00 – 699,00, – 799,00 Euro usw. verkauft werden.

Bei Fahrräder werden die jeweils höheren Preisklassen mit der Verwendung von qualitativ hochwertigeren Bauteilen begründet. Wie kann es aber sein, dass die mit Sicherheit krummen Beträge teurerer Bauteile nach „ehrlichen und prozentual gleichbleibenden“ Aufschlägen des Handels, so wie es sein sollte, ausgerechnet immer Preissprünge bei den Endpreisen bewirken, die jeweils genau 50,00 bzw. 100,00 Euro ergeben? Rein rechnerisch ist das völlig ausgeschlossen.

Aus diesem Beispiel wird allzu deutlich, wie der Handel die Verbraucher verschaukelt bzw. etwas freundlicher ausgedrückt, mit Mondpreisen über den Tisch zieht. Erlaubt ist, was sich gerade noch verkaufen lässt, heißt ganz offensichtlich das Devise, aber in der Hinsicht, die Verbraucher auf diese Weise zu „beglücken“, sind sich alle Konkurrenten in den verschiedenen Sparten des Handels bemerkenswert einig.

Fest steht, dass die Produkte im Einzelhandel den Verbrauchern nicht zu fair kalkulierten Preisen angeboten werden. Damit dürfte der Handel in der Summe ungerechtfertigt Milliarden an Mehreinnahmen verbuchen. Wie lange wollen sich die Verbraucher das noch gefallen lassen?

2myMind.de / g.m.

 

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Die Redaktion fragt:
Hast Du Dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, in welchem Maße der Handel mit diesen Preisen seine Kunden verschaukelt?

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