Mittelmeer: Tragödien kosten hunderte Leben

Foto: © UNHCR Patrick Russo - Von der italienischen Küstenwache gerettete Flüchtlinge, Mai 2016

Foto: © UNHCR Patrick Russo – Von der italienischen Küstenwache gerettete Flüchtlinge, Mai 2016

UNHCR – Rom – 31 Mai 2016
Etwa 204.000 Menschen traten 2016 bereits die Reise übers Mittelmeer an. Letzte Woche kam es laut Interviews mit Überlebenden erneut zu mehreren Schiffbrüchen, die 880 Menschen das Leben kosteten. Zusätzlich zu drei Schiffbrüchen, die UNHCR am Sonntag bekannt wurden, gab es Informationen über 47 Vermisste, als ein Boot mit 125 Menschen aus Libyen sank. Weitere acht Menschen sollen während einer anderen Überquerung über Bord gegangen sein, vier Tote gab es bei einem Feuer an Bord.

2016 scheint demnach ein besonders tödliches Jahr zu sein. Verglichen mit der gleichen Zeitspanne 2015, in der es 1.855 Tote gab, liegen dieses Jahr bereits 2.510 Berichte über Todesfälle vor. Daraus ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 81 bei einer Mittelmeer-Überquerung zu den Opfern zu zählen. Die tragischen Vorfälle unterstreichen erneut die Relevanz von Rettungseinsätzen im Mittelmeer und die Bedeutung sicherer Alternativen für Menschen, die internationalen Schutz benötigen.

Von den 203.981 Menschen, die diese Reise antraten, nahmen bis Ende März beinahe zwei Drittel die Route von der Türkei nach Griechenland. 46,714 Personen sind in Italien angekommen. Weitaus gefährlicher zeigt sich die Route von Afrika nach Italien, bei der es 2016 schon 2.119 Todesfällen gab; eine Sterbe-Wahrscheinlichkeit von 1 aus 23.

UNHCR hält es für wichtig, die Dynamiken und möglichen Fluchtgründe dieser Menschen besser zu verstehen. Dazu zählt beispielsweise die Information, dass die Mehrheit der Boote, die Libyen verlassen, von Sabratah Richtung Tripolis (bzw. Gegenden westlich davon) steuern. Das sind auch die Boote, die normalerweise überfüllter sind als jene, die auf der Türkei-Griechenland- Route gesichtet wurden. 600 oder mehr Passagiere befinden sich oft an Bord dieser Schiffe, die manchmal von Fischerbooten gezogen werden. Der Anstieg der Zahlen kann laut unbestätigten Quellen, auf das Bestreben von Schleppern zurückgeführt werden, die versuchen, ihr Einkommen vor dem Beginn des Ramadans nächste Woche zu maximieren.

Überlebende berichten von Schlepper-Zentren, die in Gegenden wie dem Niger aktiv sind und weiterhin Menschen von West Afrika nach Libyen bringen. Dort bleiben diese Menschen dann oft einige Monate, bevor sie auf Booten die Reise Richtung Europa antreten. Vermehrt wird UNHCR  von sexueller Gewalt  gegenüber Frauen auf der Reise und Menschenhandel berichtet. Frauen berichten UNHCR auch, sie seien Opfer sexueller Sklaverei in Libyen geworden. Vermehrt gibt es auch Ankünfte unbegleiteter Kinder.

Im Moment kann keine Umleitung der Route von Syrern, Afghanen, oder Irakern von der Türkei-Griechenland auf die zentrale Mittelmeer Route bestätigt werden. Von Libyen nach Italien queren momentan hauptsächlich Nigerianer und Menschen aus Gambia. Neun Prozent stammen aus Somalia und Eritrea, d.h. aus Ländern, aus denen generell viele Flüchtlinge kommen.

UNHCR

 

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