Manipulationsverdacht am Deutschen Herzzentrum Berlin

von A.Savin (Eigenes Werk) [GFDL oder CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons

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Die Bereitschaft zur Organspende auf Grund der Skandale stark reduziert 

Im Interesse todkranker Menschen, deren einzige Chance zum Weiterleben im Erhalt eines Spenderorgans besteht, ist es höchst beklagenswert, dass die Zahl der Organ- bzw. Herzspender seit Bekanntwerden des Organspendenskandals 2012 in Göttingen ständig rückläufig ist. Im Jahr 2013 warteten nach der Liste der Vergabestelle Eurotransplant 929 Menschen auf ein Spenderherz.

Im Göttinger Skandal ging es um Manipulationen an der Klinik, die den Zweck verfolgten, eine bevorzugte Vergabe von Organen für ihre Patienten zu erreichen, wobei es sich in diesem Fall um Lebertransplantationen handelte. Ähnliche Vorfälle im Hinblick auf Spenderlebern gab es an Kliniken in Leipzig, München und Regensburg. Zu erwähnen ist, dass sich die Vorwürfe nicht generell gegen die Kliniken richten, sondern dass stets einzelne Ärzte unter Verdacht stehen und staatsanwaltliche Ermittlungen gegen sie geführt werden.  

Foto: www.JenaFoto24.de / pixelio.de (Symbolbild)

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Die Zahl bereitwilliger Spender ist seitdem nach der Halbjahres-Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation von 648 Organspendern im ersten Halbjahr Jahr 2010 auf 435 im gleichen Zeitraum des Jahres 2014 gesunken, also um 33%. Wenn es um die Bereitschaft geht, im Falle des eigenen Tode mit seinen Organen anderen Menschen zu helfen, ist das eigentlich nicht logisch, denn wer auch immer das Herz eines Spenders erhält, ist todkrank und müsste ohne Transplantation sterben. Wenn ein Mensch, der sich zum Spenden generell bereit erklärt hat, nach seinem Tod mit seinen Organen anderes Leben zu retten, könnte es ihm doch gleichgültig sein, wer der Begünstigte ist, der seine Organe erhält. Ihren Zweck würde die Spende doch in jedem Fall erfüllen.

Die Leidtragenden am Spendenrückgang sind sterbende Patienten

Andererseits ist aber auch verständlich, dass der Gedanke für keinen Spender erträglich zu sein scheint, dass mit seinen Organen nach seinem Tod unter Umständen Schindluder getrieben wird oder dass sogar Ärzte und Kliniken rechtswidrige Geschäfte, die ihnen vielleicht viele Tausend Euro einbringen, damit machen. Bestraft werden durch das Nachlassen der Organspendenbereitschaft die schwerkranken, dem Tod geweihten Patienten, deren große Hoffnung, in letzter Minute ein Spenderorgan zu erhalten, nicht erfüllt werden kann.

Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de

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Im konkreten Fall des weltweit renommierten Deutschen Herzzentrums Berlin, einem der größten Europas, soll in den Jahren 2010 bis 2012 eine Oberärztin Patientendaten in der Weise manipuliert haben, dass durch Verabreichung eines starken Medikamentes an insgesamt etwa 30 Herzpatienten der Anschein einer lebensbedrohlicheren Phase der Erkrankung erweckt wurde. Somit wurden die Kranken auf der bundesweit geführten Liste der Patienten, die auf ein Herz warten, in der Dringlichkeit höher eingestuft und andere Patienten, die wahrscheinlich kränker waren, mussten länger auf ein Spenderherz warten oder sind sogar aufgrund der Manipulation verstorben.

Das Herzzentrum Berlin erstattete Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft

Das Berliner Herzzentrum führt im Jahr über 2.500 Operationen am offenen Herzen und weitere 2.000 Herz- und Gefäßoperationen durch, davon ca. 100 Herz- bzw. Herz-/Lungentransplantationen. Das Zentrum selbst erstattete nach Aufdeckung der Manipulationen, die durch eine Kommission aus Mitgliedern der Bundesärztekammer, der Krankenkassen und der Deutschen Krankenhausgesellschaft erfolgte, Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft. Diese nahm die Ermittlungen gegen Ärzte des Herzzentrums wegen des Verdachts des versuchten Totschlags auf. Die endgültigen Ergebnisse der Kommission werden unabhängig davon im Abschlussbericht im September erwartet.

Seit dem 1. August 2012 besteht ein neues Transplantationsgesetz, das einheitliche und klare Standards für Qualität und Sicherheit von Organtransplantationen setzt und damit eine umfassende Transparenz bei der Vergabe von Organen zusichert. Seitdem haben sich die Vergabepraktiken merklich verbessert, wohl aber auch, weil Ärzte, die weiterhin Manipulationen der Warteliste vornehmen, nicht nur mit dem Verlust ihres Jobs, sondern mit bis zu zwei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe rechnen müssen. Außerdem könnte damit das Ende ihrer ärztliche Karriere besiegelt sein.

2myMind.de / g.m.

 

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Die Redaktion fragt:
Wärest Du bereit, Deine Organe nach dem Tod zu spenden, wenn Du sicher sein könntest, dass keine Manipulationen mehr vorkommen?

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