Kämpfe in Nordsyrien: 23.000 fliehen in die Türkei

Foto: © AFP Photo/Bulent Kilic - UNHCR-MitarbeiterInnen vor Ort berichten, dass die meisten Flüchtlinge erschöpft und müde sind und nur wenige ihrer Habseligkeiten mitbringen konnten.

Foto: © AFP Photo/Bulent Kilic –
UNHCR-MitarbeiterInnen vor Ort berichten, dass die meisten Flüchtlinge erschöpft und müde sind und nur wenige ihrer Habseligkeiten mitbringen konnten.

UNHCR – Genf – 16. Juni 2015 – Ankara – Nach neuesten Informationen der türkischen Behörden sind aufgrund der neu ausgebrochenen Kämpfe in Nordsyrien 23.135 Menschen über die Grenze in die türkische Provinz Şanlıurfa geflohen. Etwa 70 Prozent von ihnen sind Frauen und Kinder.

Die Flüchtlinge konnten den Grenzübergang in Akçakale sowie weitere Checkpoints zwischen Şanlıurfa und dem syrischen Gouvernement Ar-Raqqa passieren, seit am 3. Juni neue Kämpfe ausgebrochen waren.

Die meisten der Neuankömmlinge stammen aus bzw. aus der Nähe der hart umkämpften und bislang von bewaffneten Gruppen kontrollierten Grenzstadt Tal Abyad, die auf syrischer Seite an das türkische Akçakale grenzt. Die Zahlen beinhalten außerdem 2.183 IrakerInnen aus Mossul, Ramadi und Falludscha. UNHCR-MitarbeiterInnen vor Ort berichten, dass die meisten Flüchtlinge erschöpft und müde sind und nur wenige ihrer Habseligkeiten mitbringen konnten. Manche sind tagelang zu Fuß unterwegs gewesen.

UNHCR hat mehrere Kontrollpunkte besucht, an denen Menschen die Grenze überquerten oder noch darauf warten, passieren zu dürfen. Diese Woche sind viele Menschen direkt nach Akçakale geflüchtet, um den Kämpfen in Tal Abyad zu entkommen. Internationalen Medien zufolge behaupten die angreifenden Milizen, die Stadt erobert zu haben. UNHCR kann das nicht bestätigen, allerdings war es heute morgen an der Grenze in Akçakale ruhig.

In Akçakale, etwa 80 Kilometer nördlich der syrischen Stadt Rakka, organisieren die türkischen Behörden die Registrierung der neu angekommenen Flüchtlinge und ihre Versorgung mit Nahrung und Wasser. Die Kinder werden geimpft.

Die meisten Flüchtlinge sind bei FreundInnen oder Verwandten in und um Akçakale untergekommen, aber einige, die besondere Bedürfnisse oder keine andere Möglichkeit haben, werden in den Flüchtlingscamps in Derik und Suruç versorgt.

Auf Bitten der türkischen Nothilfe-Behörde AFAD stellt UNHCR 27.000 Kleidungsstücke für Kinder, 33.000 Decken und 8.000 Matratzen zur Verfügung, die von den türkischen Behörden verteilt werden. UNHCR überprüft den Bedarf laufend.

In Anerkennung der wichtigen Rolle, die die Türkei als Aufnahmeland einnimmt, wird UN-Flüchtlingshochkommissar António Guterres anlässlich des Weltflüchtlingstags Flüchtlinge in der Türkei besuchen.

Nach aktuellen Zahlen hat die Türkei 1.772.535 syrische Flüchtlinge aufgenommen, mehr als jedes andere Land auf der Welt. Etwa 259.000 davon leben in 23 Camps, die von der türkischen Regierung eingerichtet und verwaltet werden. UNHCR ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Türkei und andere Nachbarländer weiterhin dabei zu unterschützen, diese Lasten zu tragen.

UNHCR – Genf

Hinterlass Deine Meinung