Irak: 180.000 Menschen fliehen vor ISIS

Foto: © UNHCR

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UNHCR – 14 Oktober 2014 – Bagdad – In der irakischen Provinz Anbar sind geschätzte 180.000 Menschen aus der Stadt Hit geflohen. Diese neue Fluchtbewegung ist die Folge des Vormarsches von ISIS und verbündeter bewaffneter Gruppen.

Die vorrangig sunnitischen Bewohner von Hit, die in der Vergangenheit hier Zuflucht gefunden haben, sind nun nach Al-Khalidiya, Haditha, Rawa, Ana und in andere Städte in der Provinz geflohen, manche sogar noch weiter südlich und östlich bis nach Bagdad und Kerbela.

Die meisten sind bei Freunden und Verwandten untergekommen, andere in Schulen, Moscheen und öffentlichen Gebäuden. Die Stadt Hit war bis vor kurzem noch Zufluchtsort für rund 100.000 Menschen, die Anfang des Jahres vor der Gewalt in Ramadi, Falludscha und anderen Teilen der Anbar-Provinz geflohen sind.

Viele sind erneut auf der Flucht

Der Exodus aus Hit sei die vierte große Fluchtbewegung innerhalb eines Jahres, so UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming. Für viele der Betroffenen sei es seit Jahresbeginn bereits das zweite, dritte oder gar vierte Mal, dass sie fliehen mussten. Zehntausende Iraker gerieten so permanent zwischen die sich ständig verschiebenden Frontlinien, fügte Fleming hinzu.

UNHCR-Mitarbeiter trafen sich am Montag mit einigen Vertriebenen aus dem Zentralirak während einer Mission zur Bedarfsermittlung unter den Neuankömmlingen im Westen Bagdads. Eine 30 Jahre alte Frau, ursprünglich aus Ramadi, die gerade mit ihrer Mutter und ihrem behinderten Bruder aus Hit geflohen war, berichtete, sie sei das dritte Mal in diesem Jahr vor ISIS auf der Flucht.

Eine andere 27jährige Frau mit zwei kleinen Kindern floh aus Hit, nachdem ihr Mann durch Granatbeschuss ums Leben kam. Sie hatte Angst, das Haus zu verlassen, aber noch mehr vor ISIS. Nach einer 14-stündigen Flucht erreichte sie schließlich Bagdad und fand Zuflucht bei Verwandten.

Diese Familien sind nun Teil der 75.000 Binnenvertriebenen, die in der irakischen Hauptstadt leben und vor allem Zugang zu Unterkunft, Gesundheitsversorgung und Einkommensquellen benötigen. 1,8 Millionen Iraker sind innerhalb dieses Jahres geflohen.

UNHCR unterstützt die Menschen in Ramadi, Kerbela, Abu Ghuraib und im Westen Bagdads mit Matratzen, Wasserkanistern, Decken und anderen Notfallartikeln. Jedoch ist der Zugang zu vielen Teilen der Provinz Anbar aufgrund des Konfliktes beschränkt.

Flüchtlinge aus Kobane fliehen über Türkei in den Irak

Währenddessen sind im Nordirak syrische Kurden aus dem von ISIS belagerten Kobane in der Provinz Dohuk über die türkisch-irakische Grenze gekommen und suchen Zuflucht in der Provinz Dohuk. Am vergangenen Freitag öffneten die türkischen Behörden den Grenzübergang bei Zakho für Flüchtlinge. Viele von ihnen kamen zuvor mit Hilfe von Schmugglern in den Irak.

Rund 5.400 Syrer aus Kobane sind über die Türkei in den Irak geflohen, 3.600 von ihnen in den letzten drei Tagen. 10.000 bis 15.000 Menschen werden in den nächsten Tagen erwartet. Die Geflohenen nennen verschiedene Gründe, warum sie die Türkei Richtung Irak verlassen haben, darunter Unruhen, die hohen Lebenshaltungskosten, Schwierigkeiten mit den Hilfsmaßnahmen angesichts des nahenden Winters sowie familiäre Verbindungen in die kurdischen Gebiete im Irak.

Bei ihrer Ankunft im Irak werden die Menschen von den Grenzbehörden überprüft und dann durch die Internationale Organisation für Migration (IOM) in das Gawilan-Camp gebracht, das vor einem Jahr für syrische Flüchtlinge errichtet worden war. Dieses Camp ist jedoch an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, so dass Neuankömmlinge fortan in das Camp in Arbat gebracht werden, das weitere 7.000 Menschen aufnehmen kann.

Gleichzeitig laufen Gespräche mit den Behörden über eine Erweiterung des Darashakran-Camps in der Provinz Erbil. Zudem errichtet UNHCR am Grenzübergang Ibrahim Khalil nahe Zakho ein Aufnahmezentrum als Wetterschutz während der Überprüfung durch die Grenzbehörden und um besonders schutzbedürftige Menschen zu identifizieren.

Im Irak befinden sich zurzeit 214.000 syrische Flüchtlinge, die meisten von ihnen in der Region Kurdistan.

UNHCR

 

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