Hartz IV Aufstocker

Trotz regulärer Arbeitsverhältnisse nur mit Hartz-4-Aufstockung genug zum Leben

Foto: Kurt F. Domnik  / pixelio.de

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Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) belegen, dass die Zahl der Arbeitnehmer in einem regulären Arbeitsverhältnis, die trotz eines Bruttoverdienstes von mehr als 800,- Euro monatlich, eine Aufstockung durch Hartz IV benötigen, vor 2013 beständig gestiegen ist. Betroffen sind vorwiegend Singles und darunter wohl die meisten Frauen. Während es im Jahre 2009 in gut 300.000 Haushalten einen sogenannten Hartz-IV-Aufstocker mit einem sozialversicherungspflichtigen Einkommen von mehr als 800,- Euro brutto gab, hat sich die Zahl der Haushalte im Jahre 2012 bereits um 6,5 Prozent auf 323.000 erhöht.

Dramatischer dagegen ist im selben Zeitraum der Anstieg der Fälle um 38 Prozent unter den Singles, bei denen insgesamt etwa 75.600 Haushalte betroffen sind. Bis Ende 2012 lag die Grenze der Begünstigung eines regulären Arbeitsverhältnisses in Hinsicht auf Steuern und Sozialversicherungsbeiträge bei 800,- Euro, ist aber seit 2013 auf 850,- Euro angehoben worden.

Bei pauschal besteuerten Minijobs mit einen Verdienst bis 400,- Euro wurde die Grenze auf 450,- Euro erhöht. Bei sogenannten Midi-Jobs mit Verdiensten von 400,- bis 800,- Euro und gleitenden Steuer- und Beitragssätzen in Form verminderter Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, erhöhten sich die Grenzen dementsprechend auf 450,- und 850,- Euro. Trotzdem reicht das Einkommen in immer mehr Fällen nicht zum Leben.

Besonders betroffen von nicht zum Leben ausreichenden Arbeitseinkommen sind Beschäftigte in der Gastronomie, im Gesundheitswesen, im Handel, im Sozialwesen und Beschäftigte bei Leiharbeitsfirmen. Insgesamt betrug die Zahl der anspruchsberechtigten Arbeitnehmer, die als Hartz-IV-Aufstocker Leistungen erhielten, im Jahre 2012 durchschnittlich 1,3 Millionen, im Jahr davor etwa 1,6 Millionen. 2013 ist die Zahl der Aufstocker erstmals leicht gesunken.

Während die Anhebung der Begünstigungsgrenze als gewisser Fortschritt anzusehen ist, darf dies aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass real gesehen bei den betroffenen Arbeitnehmern immer weniger Geld durch die teilweise erheblichen Kostensteigerungen, z.B. beim Strom, bei Mieten und Nebenkosten und bei den Lebensmitteln, übrig bleibt. Das Problem nicht ausreichender Einkommen in unserer Gesellschaft wird sich vermutlich in Zukunft weiter ausweiten. statt dass es in den Griff zu bekommen ist. Die Situation, dass ein Mensch trotz Vollzeitarbeit im Niedriglohnbereich von seinem Einkommen den Lebensunterhalt nicht allein bestreiten kann, stellt sich als kapitaler Fehler in unserem System dar, den es von Grund auf zu beheben gilt.

2myMind.de / g.m.

 

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Die Redaktion fragt:
Bringt die Anhebung der Begünstigungsgrenzen einen Vorteil, oder hinkt sie doch immer nur den Preissteigerungen hinterher?

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