Hände weg vom Tempelhofer Feld!

Foto: © 2myMind.de / gm , Display: Tempelhof Projekt GmbH, www.tempelhoferfreiheit.de

Foto: © 2myMind.de –  Display: Tempelhof Projekt GmbH, www.tempelhoferfreiheit.de

Wird das Symbol der Freiheit Berlins zubetoniert?

Das Tempelhofer Feld stellt einen Bestandteil der Militär- und Luftfahrtgeschichte Deutschlands dar. Schon ab 1722 ließ Friedrich Wilhelm I. das Gelände als Manövergelände und als Parade- und Exerzierplatz der preußischen Armee nutzen.

Mit der Verwendung des Feldes durch die „Luftschiffer-Abtheilung“ ab 1885 wurde an diesem Ort deutsche Luftfahrtgeschichte geschrieben. Zunächst stiegen Ballons auf, doch ab den 1990er Jahren führten Konstrukteure hier Testfahrten mit ihren neuen Luftschiffen, wie im Jahr 1897 mit dem Luftschiff „Deutschland“, durch und demonstrierten diese dem Militär Preußens, um finanzielle Mittel zu erhalten.

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Archiv - 1930 Eingang Flughafen Berlin

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Archiv – Eingang Flughafen Berlin 1930

Als besonderes Ereignis sind die Demonstrationsflüge von Orville Wright, die er mit seinem Motorflugzeug vom 4. – 20 September 1909 auf dem Tempelhofer Feld durchführte, zu würdigen. Sie markierten mit einem Höhen-Weltrekord von 172 m und einem Rekordflug von 1 Stunde und 35 Minuten Dauer mit einem Passagier den Beginn des Motorflugs in Tempelhof.

Der eigentliche Beginn des Flughafens Tempelhof ist auf das Jahr 1922 zu datieren, als das Luftfahrt-Unternehmen Aero Lloyd und der Flugzeugbauer Junkers begannen, einen regelmäßigen Luftverkehr von einem Gelände am Rand des Feldes aus durchzuführen. Schon im Folgejahr waren insgesamt 100 Passagierflüge mit 150 Fluggästen zu verzeichnen und es zeichnete sich ein enormer Aufschwung ab.

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Archiv - Baustelle von Tempelhof

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Archiv – Baustelle Flughafen Tempelhof

Ab 1926 wurde der Flughafen Tempelhof von der neu gegründeten „Deutsche Luft Hansa AG“ als Drehkreuz für den Strecke für Strecke rasant anwachsenden Verkehr nach ganz Europa genutzt. Infolgedessen entstand schon im Jahre 1924 die Berliner Flughafen-Gesellschaft mbH, die den Flughafen bis 1928 fertigstellte, doch schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass dessen Kapazität für die rasante Entwicklung des internationalen Luftverkehrs nicht ausreicht.

So wurden nach Plänen der Nationalsozialisten ein vollkommen neues Flughafengebäude monumentalen Ausmaßes konzipiert und von 1936 bis 1941 realisiert. Nicht nur die 100 Meter lange und beeindruckende Empfangshalle machte weltweit von sich reden, sondern ebenso die Gesamtlänge des Gebäudekomplexes von 1.200 m entlang des Flugfeldes, bestehend aus Hangars und der 400 Meter langen, überdachten Flugsteighalle. Der Zentralflughafen galt außerdem zu damaliger Zeit als das größte Gebäude Europas und nach den Plänen der Nazis sollte Tempelhof dementsprechend auch das größte Luftverkehrs-Drehkreuz Europas werden.

Ab etwa 1940 wurden sämtliche Gebäude dann nur noch von der Rüstungsindustrie genutzt, die dort Sturzkampfbomber produziert und gewartet hat. Nach dem 2. Weltkrieg lag Tempelhof erst einmal ziemlich brach, Passagierverkehr, insbesondere der Lufthansa gab es ja schon lange nicht mehr. Erst im August 1945, etwa drei Monate nach Beendigung des 2. Weltkrieges, wurde der Luftverkehr, insbesondere durch die U.S. Amerikaner, als eine der vier alliierten Siegermächte, wieder aufgenommen. Durchgeführt wurde kein planmäßiger Passagierverkehr, sondern eher ein ziviler Bedarfsverkehr, ansonsten aber in erster Linie militärischer Luftverkehr.

Bundesarchiv, Bild 146-1985-064-10A / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)] - Douglas C 54 Skymaster

Bundesarchiv, Bild 146-1985-064-10A / CC-BY-SA   [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)] – Douglas C 54 Skymaster beim Einsatz der Berliner Luftbrücke


Ein entscheidendes Ereignis für Berlin und den Flughafen Tempelhof stellte der Beginn der Berliner Blockade am 24. Juni 1948 dar. Die sowjetische Besatzungsmacht sperrte bis zum 12. Mai 1949 sämtliche Eisenbahn- und Straßenverbindungen von den westliche Besatzungszonen, ab. Durch das Abschneiden des Güterverkehrs zur Versorgung des damals unter amerikanischer, britischer und französischer Besatzung stehenden Westberlin aus den westlichen Besatzungszonen, der späteren Bundesrepublik Deutschland, sollte politischer Druck zur Aufgabe Westberlins und der Übergabe an die sowjetische Besatzungsmacht ausgeübt werden. Damit sollte der politische Störfaktor Westberlin eliminiert werden.

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Archiv - 1949 Blockadeende

Foto: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH Archiv – 1949 Blockadeende

Nachträglich weiß man, dass diese Situation bei unbedachter Handlungsweise der westlichen Alliierten zur Verteidigung Westberlins zum erneuten Krieg hätte führen können. Der entscheidende Punkt war dabei gar nicht einmal, Berlin und seine Bevölkerung nicht an die Sowjetunion zu verlieren, sondern der damit voranschreitenden sowjetischen Expansionspolitik in Richtung Westeuropa Einhalt zu gebieten. Hätte man Berlin aufgrund von unzureichendem militärischen Einsatz mit geringen Verlusten nahezu kampflos verloren, wären die Sowjets wahrscheinlich weiter Richtung Rhein marschiert. Es verwundert daher kaum, Jahrzehnte nach dem Ereignis zu hören, dass die Amerikaner für diesen Fall sogar den Einsatz ihrer Atombombe auf deutschem Gebiet, vermutlich bevorzugt Berlin, in Erwägung gezogen hatten.

Die Rettung Berlins und mit einiger Wahrscheinlichkeit die Vermeidung eines erneuten Krieges „Westmächte gegen Sowjets“ mit in Kauf genommener Vernichtung ganz Deutschlands sind einzig und allein der Luftbrücke der Alliierten zu verdanken. Die Möglichkeit, diese überhaupt erst planen und durchführen zu können, ist wiederum nur der Existenz des Flughafens Tempelhof zu verdanken.

Der kleine Flugplatz Gatow im britischen Sektor hatte keine große Kapazität. Der Flugplatz Tegel, ehemals Jagdgebiet der preußischen Könige, dann Artillerie-Schießplatz und Luftschiffhafen und ab 1930 Raketen-Schießplatz, musste erst im Hauruck-Verfahren völlig neu angelegt werden, so dass ohne den Flughafen Tempelhof die Versorgung Berlins nicht zu decken gewesen wäre. Berlin wäre regelrecht ausgehungert und viele Berliner wären den Kältetod gestorben. Obwohl schon sechs Wochen nach Beginn der Blockade mit dem Bau der mit 2.428 Metern damals längsten Start- und Landebahn Europas begonnen wurde, konnte diese erst Anfang Dezember 1948 offiziell für den Verkehr in Tegel freigegeben werden. Erst dadurch konnte Tempelhof wesentlich entlastet werden konnte und hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Hauptlast der Landungen, die teilweise im 90-Sekunden-Takt stattfanden, zu tragen.

Foto: © 2myMind.de - "Rosinenbomber" Douglas C-54 Skymaster

Foto: © 2myMind.de – „Rosinenbomber“ Douglas C-54 Skymaster

Heute stellt sich dem Bürger die erste Frage:

Wie ist eine solche Instinktlosigkeit der früheren Politik, den Flughafen Tempelhof unter diesen historischen Voraussetzungen zu schließen, möglich gewesen? Er hätte bequem einer anderen Lösung als dem Linienflugverkehr gewidmet werden können und hätte damit, wie von vielen Experten weltweit gefordert, erhalten werden können.

Viel wesentlicher ist zur Zeit aber die zweite Frage:

Wie kann es möglich sein, das völlig instinktlose Politiker und Stadtplaner unserer Zeit es überhaupt fertig bringen konnten, die Planung für eine Bebauung des Tempelhofer Feldes so weit voranzutreiben? Dass gierige Investoren dahinter stecken, ist klar, aber gibt es Verflechtungen zwischen Politik und Immobilien?

Schon der Plan, eine Parklandschaft auf diesem historisch so bedeutenden Gelände einzurichten, ist bisher nicht gelungen und wird auch nicht gelingen, weil es nicht finanzierbar wäre, einen tatsächlich großen und attraktiven Landschaftspark anzulegen, Seen und Teiche auszuheben und Hügel und Wäldchen anzulegen. Was nützt aber ein schöner und viele Millionen teurer Park in einer kleinen Ecke des Feldes, wenn auf dem größten Teil ohnehin alles so bleibt, wie es ist?

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Fotos: © 2myMind.de – Vielfältige Freizeitaktivitäten auf dem Tempelhofer Feld

Heute hat der „Park“ nicht den geringsten Charme und stellt nur eine riesige Freifläche mit den beiden Start- und Landebahnen, mit den Rollbahnen, die z. T. immer mehr verwittern, mit verwilderten Grasflächen ohne jeglichen Sonnen- und Windschutz dar und lädt nicht unbedingt, wie jeder lauschige Stadtpark, zum Picknick ein. Auch die Aussicht auf die Häuserfronten, auf die Industriebauten sowie das alte Abfertigungsgebäude mit den Hallen ist nicht besonders anregend. Nur eins muß man dem Tempelhofer Feld lassen: Für Radfahrer, Skater, Windsurfer, Kitesurfer usw. stellen die Start- und Landebahnen ein Paradies auf Erden dar, denn für die sind es ganz tolle Flächen, um sich nach Lust und Laune auszutoben.

Jedoch nicht der „Park“, sondern die geplante Bebauung am Tempelhofer Damm, entlang der S-Bahn und der Stadtautobahntrasse sowie am Ostrand des Feldes sind ein wesentlicher Teil des Anstoßes. Die geplante Errichtung eines riesigen, flachen Wasserbeckens auf der Seite hin zum Columbiadamm ist ein planerische Schnapsidee sondergleichen. Auf einer derart weiten Fläche ein so flaches Wasserbecken anzulegen, dass ununterbrochen durch aufwirbelnden Staub und Sand sowie den in der ganzen Stadt zu verzeichnenden Ruß und Staub zugemüllt wird, ist absoluter planerischer Schwachsinn. Hinzu kommen ja auch noch Abfälle von Besuchern, die sich darin sammeln. Wer sollte das denn bitte zum Plantschen und zum Baden, insbesondere für kleine Kindern, in der notwendigen Weise sauberhalten? Das könnte niemand manuell durchführen und selbst eine leistungsfähige und damit sehr teure Umwälzanlage wäre wohl nur in der Lage, das Wasser zu filtern. Wer holt aber die sich häufenden Papier- & Verpackungsabfälle, die ins Wasser geworfenen Flaschen, Steine und sonstigen Gegenstände natürlicher und menschengemachter Art, von tierischen Exkrementen ganz zu schweigen, heraus?

Foto: © 2myMind.de / gm

Foto: © 2myMind.de

Ähnlicher Unfug ist die Planung ganzer Wohnblöcke entlang der äußerst stark befahrenen Stadtautobahn. Hat denn keiner der beteiligten Politiker und Stadtplaner mal daran gedacht, welchen Schmutz- und Lärmbelästigungen sowie Abgasemissionen die künftigen Anwohner einer derartigen Siedlung ausgesetzt sein werden, oder sollen sich alle Bewohner von vornherein hinter Schallschutzfenstern verschanzen? Hätten diese wirklich die Chance, ihre Wohnzimmerfenster und Balkone auf der Ost-, Süd- und Westseite der Häuser voll nutzen zu können?

Vielleicht haben sich die Politiker und Stadtplaner in dieser Hinsicht von gierigen Immobilien-Investoren einlullen lassen, denen ihre Profite vorrangig sind vor der Wohnqualität der Häuser und Wohnungen, die sie den Käufern und Mietern der geplanten Wohnanlagen tatsächlich liefern würden. Gerade nicht ortsansässige Anleger, die sich Immobilien vom Reißbrett weg und lange vor Fertigstellung als reine Kapitalanlage kaufen, würden dabei noch mehr über den Tisch gezogen, als ortsansässige Einwohner Berlins, die zumindest eine Musterwohnung in einem der bereits fertigen Häuser besichtigen könnten. Sollten Berliner diese kaufen oder mieten, aber dennoch nicht soweit denken, auch mal die Bedingungen der unmittelbar benachbarten Umgebung zu bewerten, wären sie zwar selbst daran schuld, wenn sie erst zu spät bemerken würden, welche Nachteile ihre Wohnungen haben. Doch ändert das nichts daran, dass die Wohnqualität in unmittelbarer Nachbarschaft zu Stadtautobahn und S-Bahn ausgesprochen schlecht wäre.

Karte: Tempelhof Projekt GmbH, www.tempelhoferfreiheit.de

Karte: Tempelhof Projekt GmbH, www.tempelhoferfreiheit.de

Man fragt sich, ob denn keinem der verantwortlichen Politiker und Stadtplaner die Lärm- Schmutz und Abgasbelästigung etwa zwischen Kant- und Knobelsdorffstraße, zwischen Hohenzollerndamm und Halensee oder zwischen Detmolder Straße und Innsbrucker Platz bekannt sind? Je nach Wetterlage kann der Lärm von der Stadtautobahn auf der einen oder anderen Seite noch in der Entfernung hundert Metern und mehr als störend empfunden werden, vom Staub und den Abgasemissionen ganz zu schweigen. Vielleicht sollten Politiker und Stadtplaner mal einen Nachmittagsausflug dorthin einplanen und versuchen, sich bei Kaffee und Kuchen auf dem Balkon oder bei geöffneten Fenstern mit den Anwohners über Lärmschutz und Smog zu unterhalten

Fazit

Hände weg vom Tempelhofer Feld, also dem gesamten Gelände des Flughafens!

Null Toleranz gegenüber Stimmen für eine, wenn auch nur teilweise Bebauung, die wenn sie erst einmal begonnen wurde, später erfahrungsgemäß ausgeweitet wird und später ausufert. Diese Forderung begründet sich einerseits aus den angeführten historischen Gründen, des Weiteren wegen der teils völlig unsinnigen Pläne zur Bebauung wegen der für den Wohnungsbau ungeeigneten Lärm, Schmutz- und Abgassituation.

Null Toleranz! Wegen der historischen Bedeutung für Berlin und ganz Deutschland.

 

2myMind.de / g.m.

 

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