Gestörtes Sozialverhalten bei Mädchen unterschätzt

Foto: erysipel / pixelio.de

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Gestörtes Sozialverhalten äußert sich bei Mädchen anders als bei Jungen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie häufiger verdeckte Formen aggressiven Verhaltens zeigen. Deshalb werden die Symptome bei ihnen öfter unterschätzt. „Fest steht, dass in den letzten Jahrzehnten allgemein eine Zunahme von Störungen des Sozialverhaltens beobachtet wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Mädchen parallel häufiger Angsterkrankungen, depressive Störungen sowie Ess- und Somatisierungsstörungen auftreten. Während bei Jungen häufiger Aufmerksamkeitsstörungen im Zusammenhang mit Störungen des Sozialverhaltens stehen,“ so Dr. Spitczok von Brisinski, Vorstand des Berufsverbands für Kinder und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland e. V. (BKJPP).

Mit gestörtem Sozialverhalten verbinden Experten über mehrere Monate wiederholt aggressive Verhaltensweisen. Typische Symptome sind ein extremes Maß an Streiten, Tyrannisieren, Grausamkeiten gegenüber Menschen oder Tieren sowie eine erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum. Doch auch weniger offenkundige Aggressionen wie etwa das Weglaufen von zu Hause oder Mobbing sind mögliche Anzeichen. „Gestörtes Sozialverhalten zeigt sich nicht nur in offener, direkter Form wie beispielsweise in Wutausbrüchen, Beschimpfungen, physischem Einschüchtern oder Zerstören von fremdem Eigentum. Aggressionen können auch verdeckt ausgeübt werden beispielsweise in Form von Stehlen oder Lügen. Auch das Ignorieren von anderen Personen, das Streuen von Gerüchten oder der Ausschluss von Personen aus einer Gruppe können als indirekte Form der Aggression zutage treten“, berichtet Spitczok von Brisinski. Zeigt ein Kind über mehrere Monate solches Verhalten, muss das Kind einem Kinder- und Jugendpsychiater vorgestellt werden, damit dieser eine mögliche Störung des Sozialverhaltens abklären und dem Kind helfen kann. www.kinderpsychiater-m-netz.org

Annette Bulut (mp)

 

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Die Redaktion fragt:
Werden nicht Verhaltensstörungen und Auffälligkeiten bei Kindern generell unterschätzt?

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