Fitnessstudio-Vertrag: Meist kein Widerrufsrecht

Um überschüssige Pfunde loszuwerden, schließen viele Deutsche zum Beginn des Frühjahres einen Vertrag mit einem Fitness-Studio ab. Manch einer bemerkt aber schon nach kurzer Zeit, dass die „Mucki-Bude“ nicht seinen Vorstellungen entspricht oder dass ihm schlicht die Motivation fehlt. Also was tun? Ein Widerrufsrecht besteht nämlich in den meisten Fällen nicht. Ein 14-tägiges Widerrufsrecht besteht laut ARAG-Experten nur bei Verträgen, die per Telefon oder über das Internet abgeschlossen wurden (Fernabsatz-Verträge). Bei Fitnessstudios ist es aber üblich, zunächst ein Probetraining zu absolvieren und im Anschluss den Vertrag vor Ort zu unterschreiben.

Für eine fristgerechte Kündigung des Vertrages ergibt sich die Kündigungsfrist aus den Geschäftsbedingungen (AGB) des Fitnessstudios. Soweit bei einem unbefristeten Vertrag die Kündigungsfrist in den AGB zwischen einem und drei Monaten liegt, ist diese wirksam. Ist eine längere oder gar keine Frist vereinbart oder ist die Vereinbarung aufgrund einer Erstlaufzeit über zwei Jahren unwirksam, wird – je nach Gericht – eine Frist von einem Monat bis zu drei Monaten als ausreichend betrachtet.

Wichtig: Ein in manchen Fällen im Vertrag enthaltener Ausschluss des Rechts zur außerordentlichen Kündigung aus wichtigem Grund ist unwirksam. Hierfür aber muss dem Kunden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses unzumutbar sein. Das ist etwa nach einer Erkrankung der Fall, die eine Benutzung des Fitnessstudios dauerhaft ausschließt. Das Fitnessstudio darf die Vorlage ärztlicher Bescheinigungen, jedoch nicht die Konsultation eines bestimmten Arztes verlangen. Ähnlich ist es bei einem Wohnortwechsel, wenn dem Mitglied aufgrund der Entfernung eine Nutzung nicht mehr zumutbar ist.

Weitere Gründe für eine außerordentliche Kündigung sind zum Beispiel eine Schwangerschaft oder die Ableistung des Grundwehr- und Zivildienstes. Manchen Gerichten entscheiden dann aber auch, dass Verträge lediglich für die Dauer der Schwangerschaft bzw. des Dienstes beitragsfrei ruhen müssen. Ebenso ein anerkannter Grund ist außerdem eine Verletzung vertraglicher Pflichten durch den Fitnessstudiobetreiber. Ein Beispiel dafür ist die ersatzlose Streichung von Kursen. Hier muss wenn das Mitglied aber zuvor eine angemessene Frist zur Abhilfe gesetzt haben.

In jedem Fall aber gilt: Auch bei einem wichtigen Grund kann der Nutzer den Vertrag nur innerhalb einer angemessenen Frist von maximal 14 Tagen ab Kenntnis vom Vorliegen des Kündigungsgrundes kündigen.

Thomas Schneider (wid)

 

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