Borderline-Syndrom

Foto: future crazy cat lady / flickr

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An der Grenze der permanenten Verzweiflung

Wenn Kinder sich selbst Verletzungen zufügen und starken Gefühlsschwankungen unterliegen, leiden sie eventuell an dem Borderline-Syndrom. Davon sind etwa sechs Prozent der Jugendlichen in Deutschland betroffen.

Von der psychischen Erkrankung des Borderline-Syndroms sind etwa sechs Prozent der Jugendlichen in Deutschland betroffen. Diese Persönlichkeitsstörung ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die mit dem Beginn der Jugendlichkeit einsetzt. Betroffene neigen zu Selbstverletzungen, quälen sich mit Selbstmordgedanken und nehmen Drogen, um sich zu beruhigen.

Die Gründe für diese psychische Erkrankung sind noch nicht ausreichend geklärt. Sexueller Missbrauch oder Gewalterlebnisse in der Kindheit liegen bei 60 Prozent der Betroffenen vor. Doch das allein reicht nicht aus, um ein Borderline-Syndrom zu entwickeln, berichtet der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Auch genetische Faktoren spielen anscheinend eine Rolle, sind aber noch nicht hinlänglich wissenschaftlich erforscht.

Obwohl hierzulande jedes Jahr etwa vier Milliarden Euro für die stationäre Behandlung der Störung ausgegeben werden, war lange Zeit nur wenig über das Erkrankungsbild bekannt. Allerdings konnten in den letzten zehn Jahren einige Erkenntnisse gewonnen werden. So ist mittlerweile erwiesen, dass zentrale Prozesse der Gefühlsverarbeitung im Gehirn bei Borderlinern gestört sind. Sie empfinden fast alle Gefühle viel intensiver und anhaltender als gesunde Menschen. Die Selbstverletzungen fügen sich die Erkrankten zu, weil sie sich als Opfer der anstrengenden Emotionen empfinden und sich mit den Schmerzen kurzfristig abzulenken oder zu beruhigen versuchen. Mit der sogenannten Dialektisch Behavioralen Therapie (DBT) wurde erstmals eine störungsspezifische Verhaltenstherapie entwickelt, die sich in mehreren großen Studien als wirksam erwiesen hat.

Doch die wenigsten Erkrankten suchen professionelle Hilfe, so dass viele der Betroffenen das Vollbild einer Borderline-Störung entwickeln. Diese ist geprägt von starken Gefühlsschwankungen, schweren Störungen des Selbstwerts und sie geht mit intensivem Hass gegen sich selbst und den eigenen Körper einher. Dadurch haben Betroffene große Schwierigkeiten, Beziehungen einzugehen und allein zu sein. Ihr Leben ist gekennzeichnet von chronischen Selbstverletzungen, Suizidversuchen, Drogeneinnahme und Essstörungen. Daher tun sich die meisten der Betroffenen schwer damit, eine Berufsausbildung abzuschließen. Erst im Alter von rund 40 Jahren legen sich die Symptome und die Intensität der Störung nimmt ab.

Da auch die Eltern der Betroffenen unter den Gefühlsstürmen und Suizidversuchen ihrer Borderline-Kinder leiden und dringend Unterstützung benötigen, sollten sie mit ihrem Kind professionelle Hilfe aufsuchen. Ein erster Ansprechpartner ist der Kinderarzt. Informationen und Adressen von Hilfsorganisationen oder -personen bietet ferner der Verein „Borderliner Plattform“ im Internet (www.borderline-plattform.de) (www.kinderaerzte-im-netz.de/).

Silke Koppers (glp)

 

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