Bevölkerung im Nordosten Nigerias braucht dringend Hilfe

Foto: © UNHCR George Osodi - Binnenvertriebene im Fufore Camp

Foto: © UNHCR George Osodi – Binnenvertriebene im Fufore Camp

UNHCR – Abuja – 19 August 2016
UNHCR ist alarmiert über die Situation im Nordosten Nigerias. Durch den militärischen Vorstoß von Regierungstruppen in Kooperation mit Sondereinheiten gegen Boko Haram wird nun die furchtbare Situation der Bevölkerung im Nordosten Nigerias. Viele Menschen sind seit Monaten oder sogar Jahren von humanitärer Hilfe abgeschnitten.

Die Situation vor Ort ist unübersichtlich und bleibt weiterhin gefährlich und unstetig. Selbstmordattentate, Angriffe auf Zivilisten, Brandschatzung oder Vieh-Diebstahl sind an der Tagesordnung. Am 27. Juli wurde ein Konvoi der Vereinten Nationen mit einem improvisierten Sprengsatz und Schusswaffen angegriffen und drei Helfer und ihre Eskorte wurden verletzt. Das Risiko und die Gefahr bei der Lieferung von Hilfsgütern sind hoch und somit auch die Kosten für die Hilfslieferungen.

Gewalt und Unterernährung weit verbreitet

Viele Gegenden sind nach wir vor unerreichbar und das Ausmaß des menschlichen Leides ist erschreckend: Aus den Bundesstaaten Borno und Yobe hat UNHCR zahlreiche Berichte über Menschenrechtsverletzungen, darunter Morde, sexuelle Gewalt, Verschleppungen, Zwangsrekrutierungen, erzwungener Religionswechsel und Angriffe auf zivile Einrichtungen. Es wurden bereits 800.000 Binnenvertriebene identifiziert, die dringend Hilfe brauchen. Die Unterernährung verschlimmert sich Tag für Tag. Allein in Borno stehen knapp 51.000 Menschen bei UNHCR auf der Liste besonders Schutz bedürftiger Personen, von denen knapp 22.000 Kinder sind. Mehr als drei Viertel von ihnen haben einen oder beide Elternteile verloren.

Weitere Vertriebene gab es durch einen Dominoeffekt, der durch militärische Aktivitäten und der daraus entstandenen Unsicherheit entlang der Grenzen zu Kamerun, Tschad und Niger ausgelöst wurde. Ein Angriff auf militärisches Personal in der Grenzregion in Niger hat in der Gegend zu den schlimmsten Vertreibungen seit Ausbruch der Krise 2013 geführt. Unter den Vertriebenen waren 106.000 nigerianische Flüchtlinge, die aus dem Niger zurück nach Nigeria gedrängt wurden und dadurch Binnenvertriebene wurden. Auch sie waren somit auf Hilfe bei Registrierung, Unterkunft, psycho-soziale Betreuung und Verpflegung angewiesen.

UNHCR nützt die schmalen Korridore

UNHCR hat seinen Hilfseinsatz vor Ort aufgestockt und kümmert sich vor allem um rund 500.000 besonders Schutz bedürftige Personen, die sich in kritischer Lage befinden. Auch die zehn neu befreiten Regionen rund um Borno und die dorthin zurückgekehrten Flüchtlinge werden von UNHCR unterstützt.

UNHCR Teams nützen zusammen mit anderen UN Organisationen, der nigerianischen Regierung und NGOs die neu geöffneten, schmalen Korridore, um so schnell wie möglich Hilfe in diesen Regionen zu leisten. Seit kurzem ist es UNHCR auch gelungen den Menschen in Bama zu helfen, der größten Stadt in Borno nach der Hauptstadt Maiduguri, mit rund 350.000 Einwohnern vor dem Beginn des Bürgerkrieges. Hier gibt es jedoch keine Administration oder Polizeiverwaltung mehr. Die meisten Einwohner sind geflohen, Häuser und Infrastruktur sind zerstört und Militäraktionen dauern an. Viele der Vertriebenen sind Frauen, Kinder und ältere Menschen. Augenzeugen berichten von Menschen, die sich kaum mehr bewegen konnten, Kinder mit geschwollenen Gesichtern und leeren Augen – klare Indizien akuter Unterernährung. Viele von ihnen zeigen auch Anzeichen schwerer Traumata. Die Menschen leiden auch unter Wassermangel, da Treibstoff für die Wasserpumpen fehlt. Außerdem kommen von Tag zu Tag mehr vertriebene Menschen an.

Viele Orte sind ohne Militäreskorte nach wie vor nicht oder im besten Fall für einige Stunden am Tag erreichbar. Es besteht dringender Bedarf für gepanzerte Fahrzeuge und Begleitschutz als Sicherheitsmaßnahme für UNHCR und andere humanitäre Partner, damit die notleidenden Personen erreicht werden können. Camps für Binnenvertriebene, die von Gruppen des Militärs geführt werden, entsprechen nicht den humanitären Standards und brauchen dringend Unterstützung von Experten humanitärer Organisationen.

Einfluss auch auf Nachbarländer

Die Unsicherheiten im Nordosten von Nigeria haben sich mittlerweile zu einer nationalen Krise ausgeweitet und betreffen auch die drei Nachbarstaaten Tschad, Kamerun und Niger. 187.000 nigerianische Staatsbürger sind schon über die Grenzen geflohen, aber Übergriffe von Boko Haram führen auch zu vielen Binnenvertriebenen in den neuen Fluchtländern: Es wurden bereits 157.000 in Kamerun, 74.800 in Tschad und über 127.000 Binnenvertriebene in Niger gezählt.

Insgesamt gibt es in Nigeria mittlerweile 2 Millionen Binnenvertriebene, wobei über 1,8 Millionen von ihnen aufgrund des Konflikts mit Boko Haram geflüchtet sind.

UNHCR

 

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