Beunruhigend: resistente Keime im Fleisch

Foto: Heiko Stuckmann / pixelio.de

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Multiresistente Keime sind für die Medizin eine Herausforderung. Denn diese Erreger sprechen auf die gängige Therapie mit Antibiotika nicht mehr an. Im schlimmsten Fall endet eine nicht behandelbare Infektion mit resistenten Bakterien für den Patienten tödlich.

Einer der allgemeinhin bekanntesten resistenten Keime ist der MRSA-Erreger, meist auch einfach „Krankenhauskeim“ genannt, da er dort gehäuft auftritt. Die Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung, die von der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e. V. in Auftrag gegeben wurde, zeigen nun allerdings, dass antibiotikaresistente Bakterien auch dort lauern, wo der Verbraucher sie vielleicht nicht vermuten möchte. Denn das Fleisch in deutschen Supermärkten ist laut dieser Untersuchung zu einem hohem Prozentsatz mit MRSA-Keimen belastet. Auch die weniger bekannten, aber nicht minder gefährlichen resistenten ESBL-Erreger konnten in beunruhigend vielen Proben nachgewiesen werden.

Für die Untersuchung wurden insgesamt 57 Fleischproben der Handelsketten Aldi Süd, Lidl, Edeka, Real und Rewe genommen und in einem Labor auf antibiotikaresistente Keime untersucht. Bei insgesamt 65 Prozent der untersuchten Proben wurden die Mitarbeiter des Labors fündig: MRSA-Bakterien fanden sich in 31 Prozent der Fleischstücke, in 45 Prozent der Proben konnten ESBL-Keime nachgewiesen werden. In manchen Proben wurden beide Keime gefunden. Besonders hoch war die Belastung bei den insgesamt 30 Geflügelfleischproben: Hier lag die Quote der verkeimten Fleischteile bei 86 Prozent. Hackfleisch nimmt mit knapp 66 Prozent belasteter Fleischproben den zweiten Platz in der zweifelhaften Rangordnung ein.

Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung bei PETA Deutschland e. V. erklärt, wie derart hohe Keimbelastungen im Fleisch zustande kommen. „Wo Antibiotika eingesetzt werden, nehmen Resistenzen zu. In den Tierfabriken werden die Medikamente tonnenweise verabreicht, da die auf Leistung gezüchteten Tiere die kurze Zeit in den unhygienischen und nicht annähernd tiergerechten Haltungsbedingungen nicht überleben würden“, so der Experte. Eine gezielte Behandlung einzelner erkrankter Tiere sei unter solchen Haltungsbedingungen nicht üblich, daher würden in der Regel einfach immer alle Tiere des Bestands mit Antibiotika behandelt. Dieser massenhafte Einsatz führe dann letztlich zu den gefährlichen Antibiotikaresistenzen. Auch das sogenannte „QS-Siegel“, das als Qualitätssiegel geprüfte Lebensmittelsicherheit für den Kunden garantieren soll, kann den Verbraucher nicht vor Keimbelastungen schützen. Denn laut PETA trugen beinahe alle untersuchten Produkte das Siegel.

Pressedienst mp/sats

 

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Die Redaktion fragt:
Wie lange machen die Verbraucher noch gute Miene zum bösen Spiel?

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