Betrachtung zum Erfolg in der Flüchtlingskrise

Foto: pixabay.com / Die Bundeskanzlerin im Karneval

Es ist schon viel erreicht in der Flüchtlingskrise, nur ist das ein Erfolg?

 

Ob es passt oder nicht: Die Wahrheit ist auch, dass ein Glas halb leer ist

Es ist schon viel erreicht in der Flüchtlingskrise. So war unsere Bundeskanzlerin kürzlich zu vernehmen, nachdem sie sich gezwungenermaßen endlich dazu durchgerungen hatte, Fehler einzugesehen. Sie bedauere den zeitweisen Kontrollverlust und wünschte, sie könnte die Zeit um Jahre zurückdrehen. Im Übrigen sei ihr Satz „Wir schaffen das“ anders gemeint gewesen, als die meisten Deutschen in ihn hinein interpretiert haben. Deshalb werde Sie den Satz nun auch nicht mehr wiederholen, hat er doch zu viel Missmut und Kontroversen hervorgerufen. Aber auf das, was wir in unserem Land in der Flüchtlingskrise schon geschafft haben, betonte Angela Merkel, können wir stolz sein. Das macht Mut und es zeigt auch, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Apropos, was hat denn die Bundeskanzlerin in der Flüchtlingskrise in Deutschland explizit persönlich geschafft und was haben die Bürger, denen sie das Asylbewerberproblem ungefragt aufgebürdet hat, geschafft? Es soll keinesfalls bestritten werden, dass die deutsche Bevölkerung in der Tat schon Vieles in Sachen Flüchtlinge geschafft hat.

Das Resultat kann aber durchaus auch so gesehen werden:

● Hunderttausende, die in provisorischen Flüchtlingslagern leben.
● Hunderttausende, die trotz Ablehnung von Asyl im Land bleiben.
● Hunderttausende, die wegen Ablehnung auf Abschiebung warten.

● Hunderttausende, die unregistriert und illegal untergetaucht sind.
● Hunderttausende, die viele Monate auf ihre Asylbescheide warten.
● Hunderttausende, die auf freie Plätze in Deutschkursen warten.
● Hunderttausende, die auf ein Angebot für Ausbildungsplätze hoffen.
● Hunderttausende, die auf Angebote geeigneter Arbeitsplätze hoffen.
● Hunderttausende, die die Hoffnung auf ein besseres Leben verlieren.

Das trifft unabhängig davon zu, dass wir wirklich schon eine Menge geschafft haben. Kritiker werden jetzt aufschreien und Schwarzmalerei unterstellen. Man kann schließlich ein halb gefülltes Glas positiv als „halb voll“ und negativ als „halb leer“ bezeichnen. Gewiss, aber „halb leer“ entspricht nun mal ebenso der Wahrheit dar wie „halb voll“.

Die Flüchtlingskrise der EU ist zu 150 Prozent ungelöst

Und da wäre noch etwas, nicht gerade Unbedeutendes: Kaum einer redet noch über die Flüchtlingskrise der EU, die ist zu 150 Prozent ungelöst ist. Lassen wir die Balkanstaaten doch die Grenzen wieder öffnen und wir werden sehen, wie schlagartig von vielen bisher nicht genutzten Ausgangspunkten in der Türkei wieder winzige Nussschalen völlig überfüllt durch die Ägäis oder übers Schwarze Meer zu EU-Staaten übersetzen werden. Neue Flüchtlingsströme werden so schnell wieder ausbrechen, dass türkische Sicherheitskräfte an den Tausende Kilometer langen Küsten gar nicht hinterherkommen können, die Flüchtlinge aufzuhalten, ungeachtet dessen, ob das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei Bestand hat.

Eine andere Spielart wäre, dass das Türkeiabkommen wegen erneuter diplomatischer Zerwürfnisse doch noch platzt und Erdogan von sich aus die Seegrenze nicht mehr sichert. Griechenland würde erneut überflutet werden und nach Italien würden Flüchtlinge in bisher nicht gekanntem Umfang mit größeren Booten oder kleineren Frachtern übersetzen. Die Kollateralschäden in Form hoher Zahlen von Todesopfern bei Bootsunfällen dürfte in der Folge schlagartig noch weiter in die Höhe schnellen.

Der Fluchtwelle von den Küsten Nordafrikas wird wenig Beachtung geschenkt 

Die dritte Problemherd in der Flüchtlingskrise ist nie ausgeschaltet worden und besteht praktisch seit 2014 unverändert fort. Dabei handelt es sich um die Fluchtbewegungen über das Mittelmeer, die von den Küsten Nordafrikas ausgehen, vorwiegend von Libyen in Richtung Italien, Malta und Griechenland. Hier ist praktisch seit 2014 nichts geschehen, außer das die Seenotrettung der italienischen Marine nach wie vor Tausende vor den Küsten Nordafrikas, die von den Schleppern angeliefert werden, einsammelt und nach Italien verschifft. Über 3.600 Opfer sind dieses Jahr schon wieder bei der Flucht ertrunken, über 10.000 seit 2014. Italien rettet, die EU schaut zu, Angela Merkel schaut zu, die Bundesregierung schaut zu, die Medien schauen zu, die deutschen Bürger schauen zu, keiner unternimmt etwas, um diesen Zustand zu beenden.

Fragen wir  Frau Dr. Angela Merkel: „Was haben Sie eigentlich gegen diesen Skandal vor der Haustür der EU getan, Frau Bundeskanzlerin, was haben Sie in der EU-Flüchtlingskrise geschafft?“ Wenn Sie behaupten: „Wir haben schon viel geschafft“ und damit auch die Flüchtlingskrise der EU meinen, bleibt keine andere Wahl, als Ihnen zu sagen:

„Nichts! Ihre Flüchtlingspolitik in der EU hat versagt und hat Schaden angerichtet.“

Und trotzdem wollen Sie im Jahr 2017 wieder Bundeskanzlerin werden?

2myMind.de / g.m.

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