BER: Größter Bauskandal in der Geschichte der Bundesrepublik

Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH

Die Eröffnung des Flughafens BER:
Nicht 2018! Nicht 2019! Nicht 2020?
Die Bürger verstehen gar nichts mehr.

Die unendliche Geschichte des größten Skandals eines öffentlichen Bauprojektes in der Geschichte der Bundesrepublik erfährt im Jahr 2017 ihre gewohnheitsmäßige Fortsetzung

Bis zum Spätherbst 2014 konnten sich die Bürger und Steuerzahler Berlins und der gesamten Bundesepublik nicht sicher sein, ob der für Ende 2014 angekündigte „Termin zur Verkündung des Termins“ für die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER nicht schon wieder gekippt wird. Dann hatte der damalige Geschäftsführer Hartmut Mehdorn doch einen voraussichtlichen Eröffnungstermin für das zweite Halbjahr 2017 genannt. Etwas konkreter ausgedrückt hieß es, dass ein „Terminkorridor“ zwischen Juni und September ins Auge gefasst worden sei.

Selbst der als knallharter Sanierer bekannte Hartmut Mehdorn musste das Handtuch werfen

Schon in den beiden zuvor bei 2myMind.de erschienenen Beiträgen über das BER-Desaster war Verständnis für das Projekt mit seinen Pannen bekundet, aber auch reichlich Kritik geübt worden. Doch ganz ehrlich, was in der Zeit seit Beginn der Machtübernahme von Hartmut Mehdorn als Chef des Flughafens im Frühjahr 2012 geleistet, bzw. nicht geleistet worden war, konnte schon damals kein normal denkender Mensch mehr verstehen. Hartmut Mehdorn hatte oft genug erklärt, welche Zustände er vorgefunden hatte: Gefeuerte Planungsfirmen, entlassenes Führungspersonal, fehlende Bauplanungsunterlagen und Bauzeichnungen, unkoordiniert arbeitende Firmen und vieles mehr. Das alles war verständlich und logisch nachvollziehbar, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Doch die Bürger hatten und haben keinen Untersuchungsausschuss zur Verfügung, von dem sie detailliert informiert werden könnten, wie die Politiker durch ihren parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Im Gegensatz dazu bleiben aber nicht bei den Politikern, sondern bei den Steuerzahlern die unverschämt hohen Mehrkosten für die verhängnisvollen Fehler hängen, die von wenigen verantwortungslos Verantwortlichen begangen wurden. Gerade deshalb hätten die Bürger, insbesondere die Steuerzahler, ein selbstverständliches Recht auf detaillierte Aufklärung.

Foto: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Vier-Sterne Superior Hotel der Steigenberger Gruppe

Bild: © Björn Rolle / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Geplant ist ein zweiten Hotel der Kategorie 3-Sterne

Nach zweieinhalb Jahren Mehdorn stand nur fest, wann der BER nicht eröffnet wird

Es rief bei den Bürgern Wut hervor, dass die Vorgänge am BER nicht nachvollziehbar waren und sich kein Bürger im Entferntesten vorstellen konnte, was an der Aufdröselung der Probleme, der Suche nach Lösungen und der konkreten Planung des Umbaus, insbesondere der Entrauchungsanlage derartig viel Zeit gekostet haben sollte, dass zweieinhalb Jahre später nur eines feststand, nämlich wann nicht eröffnet wird. 2015 war als Eröffnungstermin schon lange aus dem Rennen, 2016 war auch völlig unrealistisch, 2017 wäre der Wunschtermin gewesen.

Glückloser Geschäftsführer Carsten Mühlenfeld verließ den BER 2017 ebenfalls erfolglos

Nach Mehdorns, mangels Erfolg ziemlich unrühmlichem Abgang Anfang 2015 bekleidete der glücklose Maschinenbau-Ingenieur und Manager Carsten Mühlenfeld bis März 2017 die Geschäftsführerposition bei der Flughafengesellschaft, ohne dass der BER der Eröffnung entscheidende Schritte näher gekommen wäre. Alles in allem hat die Flughafengesellschaft in den elf Jahren seit Baubeginn viele Millionen Euro aus den Kassen Berlins, Brandenburgs und der Bundesrepublik gezahlt an mehr oder weniger unfähige Geschäftsführer, die in ihrem Fach möglicherweise hervorragende Leistungen vollbringen, nicht aber im Management von Flughafenneubauten. Umso mehr trifft das auf die Fähigkeiten bei der Sanierung eines durch ignorante Politikerplanung völlig verkorksten Flughafenneubaus zu.

Ein paar bautechnische Ignoranten haben sich angemaßt, ein Megaprojekt zu bauen

Der Abriss des gesamten Terminals mit über 20.000 festgestellten Mängeln und der komplette Neubau wäre, rückwirkend betrachtet, wohl die bessere und schnellere Lösung gewesen. Alternativ hätte sich vielleicht auch der Abriss sämtlicher Innenausbauten mitsamt den technischen Anlagen angeboten. Am Anfang des Desasters hatten die verantwortlichen Politiker das zuerst beauftragte und im Flughafenbau erfahrene Generalunternehmern wegen zu hoher Kosten von einigen hundert Millionen aus dem Vertrag geworfen. Dann hatten sie ihr Süppchen, den Flughafen mit politischer Selbstüberschätzung und Ignoranz unter eigener Verantwortung zu planen und zu bauen, angerührt und Dutzende Planer und Hunderte Firmen unter Vertrag genommen. Als es mit dem Bau schief lief, hatten sie mit traumwandlerischer Sicherheit zuerst den Architekten und Planer gefeuert, dann leitende Technikangestellte und weitere Planungsfirmen, sofern diese nicht schon alleine pleite gegangen waren. Aus technischen Gründen mahnende Technik-Geschäftsführer wurde wegen Differenzen mit der Geschäftsleitung ebenfalls kurzerhand entlassen.

Foto: © Alexander Obst / Marion Schmieding, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – “The Magic Carpet” von Pae White

Foto: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Marktplatz im Zentrum des Hauptterminals

Foto: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – die Einreisekontrollstellen der Bundespolizei.

Foto: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Gepäckausgabehalle mit acht Rundläufen.

Forderung von Skeptikern „abreißen und neu bauen“ wäre besserer Weg gewesen

Aber niemand wollte sich von dem Prachtstück trennen, dass im internationalen Vergleich, an jüngst entstandenen Flughafenneubauten weltweit gemessen, nur durchschnittliches Mittelmaß darstellt. BER-Geschäftsführung, Aufsichtsrat, Berliner Senat und Potsdamer Landtag in Zusammenarbeit mit dem Bundesverkehrsministerium gingen allesamt der Illusion nach, die Kurve doch noch kurzfristig nehmen zu können, was sich jedoch als unbeschreiblicher Trugschluss erwiesen hat.

Ankündigung der Bekanntgabe eines unternehmerisch verantwortbaren Termins

Nachdem im Laufes des Jahres 2017 zunächst der für das dritte Quartal angekündigte Eröffnungstermin gestrichen werden musste, hat nun der zuvor im Amt eines Staatssekretärs für „Strategien für Berlin und Flughafenpolitik“ tätige Stadtplaner Engelbert Lütke Daldrup, der 2015 das Steuer der Flughafengesellschaft und damit auch des BER übernommen hatte, das Problem, der Öffentlichkeit Mitte Dezember 2017 einen (vorläufig) endgültigen Eröffnungstermin für das Jahr 2018, 2019 oder sogar 2020 nennen zu müssen.

Nach Absage der Eröffnung 2017 sind im November noch 30 technische Risiken existent

Diese Ankündigung erfolgt nach der sechsten Absage eines zugesagten Eröffnungstermins seit Baubeginn im Jahre 2006, wobei die Gründe zusammengefasst auf mangelhafte Bauplanung, eklatante Baumängel und Missmanagement zurückzuführen sind. Noch Mitte November hieß es, dass die Sanierung des Neubaus bis August 2018 abgeschlossen sein sollte. Die anschließenden Bauabnahmen, Tests und der Probebetrieb wurden mit etwa einem Jahr veranschlagt. Eine parlamentarische Anfrage der Berliner Finanzverwaltung ergab, dass von den ehemals 3.000 Technikproblemen im Hauptterminal immer noch 30 als technische Risiken existent seien. Immerhin seien aber bereits 80 Prozent der Türen im Termin in vollem Umfang funktionstüchtig.

Foto: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Bereich der Eingangstüren zum Main Pier Nord.

Foto: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Sicherheitskontrollstellen im Main Pier Süd

Angesichts der Mängelsituation ist den Beteiligten Unfähigkeit zu bescheinigen

Dennoch wurde festgestellt, dass sich die Bauarbeiten unverhältnismäßig lange hinziehen und auf diese Weise monatliche Kosten für den Unterhalt, unter anderem für Planung, Projektsteuerung, Bauüberwachung, Sicherung des nicht funktionsfähigen Flughafenterminals von 10 bis 13 Millionen Euro entstehen, die natürlich von den Steuerzahlern zu tragen sind. Bedenkliche Mängel bestehen immer noch am Rauchgas-Entlüftungssystem, an der Sprinkleranlage, am Brandmeldesystem, an der Sicherheitsbeleuchtung, am akustischen Notrufsystem und an der Sicherheitsstromversorgung. An dieser Stelle stellt sich die Frage nach der Kompetenz der an der Sanierung des Neubaus tätigen Projektplaner, Ingenieure, Techniker und Fachfirmen. Die Situation lässt keinen anderen Schluss zu, als dass den Beteiligten nach so langer Zeit zur Behebung der Fehler absolute Unfähigkeit zugeschrieben werden muss. Vergleichbare technische Einrichtungen werden weltweit nicht nur in Flughafen-Neubauten installiert und funktionieren dort offenbar einwandfrei. „So muss Technik“, um es mal mit einem Werbespruch auszudrücken!

Entmutigendes TÜV-Prüpfergebnis verhagelt neuem Chef den Eröffnungstermin 2018

Obwohl bis vor kurzem absolute Zuversicht herrschte, den für Herbst 2018 angepeilten, aber äußerst ambitionierten Termin halten zu können, wurde der Optimismus durch eine kürzlich durchgeführte TÜV-Prüfung von technischen Anlagen im Bereich des Nordpiers, einem als relativ problemlos bekannten Teil des Hauptterminals, zunichte gemacht. Die Prüfung erbrachte ein entmutigendes Resultat, woraufhin die Prüfung in anderen Teilen des Terminal erst gar nicht weitergeführt, sondern gänzlich gestoppt wurde.

Foto: © Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt

Foto: © Alexander Obst / Marion Schmieding, Flughafen Berlin Brandenburg GmbH – Fluggastbrücken signalisieren die Nutzung

Medienberichten zufolge besteht die Gefahr, dass die Mängel an technischen Systemen, die nach fünf Jahren Umbauzeit immer noch nicht in den Griff zu bekommen waren, den aktuellen terminlichen Rahmenplan zu Fall bringen werden. Dies wurde gemäß einem Lagebericht an die oberste Bauaufsicht des Landes Brandenburg und einem Bericht des TÜV Rheinland öffentlich bekannt. In diesem Zusammenhang wurde angesichts der Mängelsituation sogar ein möglicher Eröffnungstermin im Frühjahr oder Herbst 2020 in Frage gestellt.

Von der Flughafengesellschaft hieß es, dass sie sich intensiv bemühe, frühere Fehler aufzuarbeiten und technische Mängel zu beseitigen. Es werde geklärt, wie die immer noch stattliche Anzahl von Fehlern und Mängeln in verschiedenen technischen Anlagen behoben werden könne und welche Zeit dies beanspruchen würde.

Wenn auch nicht fest steht, wann er öffnet, steht doch eines fest: er ist zu klein

Definitiv steht aber jetzt schon fest, dass BER zu einem um das Jahr 2019 ins Auge gefassten Eröffnungszeitpunkt hoffnungslos überlastet sein wird, wahrscheinlich ohne dass mit dem Bau für die Erweiterung durch ein Satelliten-Terminal begonnen sein wird. Das Terminal des BER, so wie es jetzt existiert, ist im Grunde inklusive seiner Position eine absolute Fehlplanung. Das kann jeder Laie bei der Betrachtung von Luftaufnahmen anderer internationaler Airports mit Passagierzahlen von etwa 40 bis 50 Millionen im Jahr, selbst beurteilen.

Geplant und gebaut wurde ein einzelnes, von der Autobahnzufahrt her offenes U-Terminal mit direkt darunter gelegenem Flughafenbahnhof, was weder auf der Zufahrtsseite noch auf der Vorfeldseite um ein zweites, gleich großes und gleichwertiges Terminal erweitert werden kann. Die Konfiguration des derzeitigen Terminals lässt lediglich zwei auf dem Vorfeld zu errichtende und über lange Wege zu erreichende Satellitenterminals mit eingeschränktem Komfort zu, die nur über das Nadelöhr des Hauptterminals zugänglich sein werden.

Mit dieser Konzeption wäre der BER zukunftssicher für 60 Millionen Passagiere

Konzept/Grafik: © 2myMind.de / g.m. – Dies wäre die zukunftsfähige Konzeption mit Erweiterungsoption auf zwei gegenüberliegende U-Terminals auf einer „Insel“ im Vorfeld mit zentraler Bahnstation und Zufahrt gewesen.

Konzept/Grafik: © 2myMind.de / g.m. – Dies ist die um 2 komforteingeschränkte Satellitenterminal auf dem Vorfeld erweiterbare Konzeption mit langen Zugangswegen durch das Nadelöhr des Hauptterminals.

U-Terminal auf einer „Insel“ im Vorfeld mit Platz für ein gespiegeltes U wäre zukunftsfähig

Bei vorausschauender Planung hätte von vornherein Platz für die Erweiterung durch ein zweites, gespiegelt angeordnetes U-Terminal vorgesehen werden müssen. Die Zufahrtswege, die Parkhäuser sowie S- und Fernbahnhof hätten dementsprechend mittig zwischen beziehungsweise unterhalb beider Terminals positioniert werden müssen. Auf diese Weise hätte die Kapazität des BER bei entsprechender Fluggastentwicklung ohne lange Wege zu Satellitenterminals, die obendrein für die Passagiere weniger Komfort aufweisen, absolut verdoppelt werden können. Moderne und zukunftssichere Flughäfen werden heute so gebaut, dass Flächen für komplette Erweiterungsterminals eingeplant und frei gehalten werden, insbesondere wenn mit Sicherheit vorauszusehen ist, dass die Fluggastzahlen massiv ansteigen werden. Doch wer kann von Politikern zu unserer Zeit noch vorausschauendes Denken und Handeln erwarten, wie es etwa in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg der Normalität entsprach.

Politische Ignoranten blamieren Berlin in der Welt und richten Milliardenschaden an

Aus Sicht der Bürger bleibt festzustellen, dass BER offensichtlich von Ignoranten * geplant und gebaut worden ist, was nicht unter allen Umständen als beleidigend aufgefasst werden muss. Denn diese Situation war nicht zwangsläufig so gegeben, sondern durch Abwürgen eines kompetenten und vertrauenswürdigen Generalunternehmens und Übernahme der Gesamtverantwortung für den Bau durch Spitzenpolitiker des Bundes und der Länder Berlin und Brandenburg herbeigeführt worden ist. Politiker und Beamte, die weder von Bautechnik noch von Flughafenbau die geringste Ahnung hatten, haben Berlin damit in der gesamten Welt auf das Massivste blamiert und für die Steuerzahler vermeidbare Mehrkosten in Höhe mehrerer Milliarden verursacht. Obendrein darf Berlin stolz darauf sein, schon bei der vielleicht doch noch irgendwann stattfindenden Eröffnung einen Flughafen zu erhalten, bei dem es vor Provisorien nur so wimmeln wird.

2myMind.de / g.m.

* Bedeutung Ignorant, ignorant = ahnungslos, laienhaft, unerfahren, unprofessionell, unwissend.

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