BER – Deutschlands Megaprojekt-Desaster Nummer 1

Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

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Berlin lässt keine Skandal-Variante beim Bau des neuen Hauptstadtflughafen aus

Zwei Jahre sind seit der verpatzen Eröffnung des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) vergangen und die Erfolgsbilanz zeigt deutlich, dass das Projekt seitdem ein gewaltiges Stück vorangekommen ist. Insbesondere sind die Bürger, besonders die Steuerzahler, durch das Bauvorhaben in vieler Hinsicht reicher geworden und können sich als Gewinner fühlen.

Zum einen sind sie reicher an Erkenntnissen über die absolut verheerende Auswirkungen ignoranter Fehlentscheidungen von Politikern und Amtsträgern bei der Auftragsvergabe infrastruktureller Mega-Bauprojekte. Zum anderen haben sie zusätzlich erkenntnisreiche Eindrücke über die Unfähigkeit und das Versagen politische Aufsichtsräte gewonnen. Nicht zuletzt sind die Bürger aber auch reicher geworden an Erfahrungen, wie höchstbezahlte Geschäftsführer, Bau- und Technikspezialisten, die Experten für alles Mögliche sein mögen, nur nicht für den Flughafenbau, das Projekt fast vollständig in den märkischen Sand setzen und daraus mehr und mehr ein Milliardengrab machen. Ein kleiner Nachschlag an Erkenntnisgewinn ergibt sich noch daraus, dass einige der Mega-Versager auch noch immense Abfindungssummen verlangen oder sogar erhalten und andere ungehindert auf ihren Posten weitermachen und neuen Schaden anrichten dürfen.

Es ist wirklich schade, dass sich die Bürger von dem ganzen gewonnenen „Reichtum“ nichts kaufen können. Somit bleibt nur die Ahnung, ach was, die Gewissheit, dass der Reichtum an Erkenntnissen über das Versagen der Politik bei der Durchführung des Megaprojektes BER noch Jahre zunehmen und noch weitere Überraschungen bringen wird. Nichts aus der Zauberkiste der potentiell skandalträchtigen Zutaten wurde beim Bau des Hauptstadtflughafens bisher ausgelassen. Ausführliche Informationen über die Geschichte des Flughafen-Neubaus sind in folgendem Beitrag aus dem Jahr 2013 zu finden: BER Flughafen Berlin Brandenburg Debakel. Nachfolgend die Ereignisse des Jahres 2014.

Januar 2014 – Monatliche Kosten des unvollendeten Hauptstadtflughafens

Nach seinem Antritt als Sanierer des BER hatte Hartmut Mehdorn selbst eine Kostenanalyse in Auftrag gegeben, die trotz des Stillstands der Bauarbeiten im Mai 2013 mit monatlichen 20 Millionen Euro für den Unterhalt der „Bauruine“ angegeben wurde. Nach Pressemeldungen vom Januar 2014 hatte Hartmut Mehdorn die monatlichen Kosten dann mit 17 Millionen bezeichnet und bekanntgegeben, dass seit 2012 insgesamt 340 Millionen nur für den Unterhalt aufgebraucht wurden. Neben Kosten für Systemwartung, Wachdienst, Raumpflege und technische Instandhaltung fallen besonders die immensen Energiekosten ins Gewicht.

12. April 2014 – Der Bundesrechnungshof schaltet sich erneut ein

Nach Angaben des Bundesverkehrsministers wurden in einem Prüfbericht des Bundesrechnungshofes Pflichtverletzungen, Verstöße, Versagen und Mängel in Berichten, in der Termin- und Kostenplanung, in der Informationspolitik und am Führungsstil beanstandet. Der Geschäftsführung wurde vorgeworfen, dass bei ihr kein baulicher Sachverstand vorhanden sei, Personalengpässe bestünden, ein belastbares Finanzierungskonzept fehle, das Programm „Sprint“ noch nicht voll wirksam sei sowie dass wichtige Führungskräfte gefeuert worden seien.

01. Mai 2014 – Mehdorn warnt zum wiederholten Male vor Engpässen bei Eröffnung

Nicht zum ersten Mal warnte Flughafenchef Hartmut Mehdorn davor, dass der für 27 Millionen Passagiere geplante Hauptstadtflughafen bereits bei der Eröffnung mehr als 30 Millionen verkraften müsse und dass Engpässe bei der Passagierabfertigung im Terminal, insbesondere beim Einchecken, bei Sicherheitskontrollen und der Gepäckausgabe zu erwarten seien.

Mehdorn forderte vom Aufsichtsrat des BER die Bereitstellung von Mitteln für die Erweiterung der Abfertigungseinrichtungen im neuen Terminal sowie für die Planung und den Ausbau des bestehenden Terminals Schönefeld am nördlichen Rand des Flughafens, die als Notlösung gilt. Durch Verlagerung der Billigflieger in diesen Teil könnte schnellstmöglich sichergestellt werden, dass der Airport die bis 2020 auf 35 Millionen anwachsenden Passagierzahlen überhaupt bewältigen könne.

Ungeachtet dessen konnte sich der Aufsichtsrat lediglich zur Entscheidung durchringen, statt der vom ehemaligen Technikchef Horst Amann geforderten vier zusätzlichen Gepäckbänder ein einziges zu genehmigen. Weitere Mittel für die Planung der Umbaus des alten Schönefeld-Terminals wurden verweigert.

05. Mai 2014 – Planer der Brandschutzanlage am Hauptstadt-Flughafen fristlos entlassen

Hartmut Mehdorn hat den Planer der Brandschutzanlage, Alfredo di Mauro, der massgeblich an der Planung und dem Bau der funktionsunfähigen Anlage 14 beteiligt war, wegen schwerer Mängel gefeuert. Die Anlage sollte sämtliche Bereiche des Hauptterminals im Brandfall mit frischer Luft versorgen und den Rauch ableiten, stellte sich aber als Fehlplanung und Hauptgrund für die vor zwei Jahren geplatzte Eröffnung des Flughafens heraus.

Di Maro hält die Anlage, dem vom neuen Technikchef und Brandschutzexperten Jochen Großmann erstellten Gutachten zum Trotz, wonach die Anlage eine Fehlplanung darstellt, für funktionsfähig jedoch nur noch nicht fertiggestellt.

Nach Großmanns Plänen soll die Anlage zerlegt und aufgeteilt werden, das heißt, dass die beiden oberen Stockwerke getrennt durch eine eigene Anlage entraucht werden. Das gleiche trifft auf die Lager- und Technikräume zu. Die Restanlage soll durch entsprechende Planungen und Messungen optimiert werden.

Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

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12. Mai 2014 – Zwei Jahre nach verschobener Eröffnung noch keine Umbaupläne fertig

Mitte Mai erklärt der Technikchef des Flughafenprojektes, Jochen Großmann, vor dem Flughafenausschuss des Landtages in Potsdam, dass die Pläne noch nicht fertig seien und, ohne sich auf Termine festzulegen, schrittweise an die mit dem Umbau beauftragte Firma Siemens übergeben werden. Zur Frischluftsteuerungszufuhr seien spezielle Kabel mit einer Länge von 90 km sowie 80 Steuerungspunkte zu installieren, eine terminliche Festlegung sei nicht gegeben.

Gleichzeitig beklagt der Vorsitzende der Fluglärmkommission, dass von insgesamt 25.000 betroffenen Haushalten 14.000 im „Tagschutzgebiet“ noch nicht einmal über endgültige Bescheide verfügen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte die Flughafengesellschaft dazu verurteilt, statt der ursprünglich vorgesehenen 139 Millionen nunmehr 730 Millionen Euro für Schallschutzmaßnahmen, Schallschutzfenster, Lärmdämmungsmaßnahmen und Belüftungen aufzuwenden oder die Anwohner finanziell zu entschädigen.

Ab März 2015 soll der Umbau der alten Schönefelder Startbahn erfolgen, weshalb es erforderlich sein wird, vorübergehend die fertige Südbahn zu benutzen. Weil die zuständige Behörde die Genehmigung dazu aber nur erteilt, wenn 6 Monate zuvor alle Schallschutzbescheide vorliegen, ergibt sich diesbezüglich mittlerweile dringender Handlungsbedarf, da es sonst schon wieder zu neuen Verzögerungen kommen wird.

13. Mai 2014 – Laut Medienberichten droht dem Flughafen BER die Pleite

Weil dem Flughafen wegen der hohen Kosten das Geld auszugehen droht, muss Hartmut Mehdorn vor dem Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages um Freigabe neuer Kredite ersuchen. Die Abgeordneten verlangen ihrerseits detaillierten Nachweis über die Verwendung der 1,2 Milliarden Euro, die 2012 bewilligt worden waren sowie ein aussagefähiges finanzielles Konzept. Inklusive der von Mehdorn geforderten weiteren 1,1 Milliarden wird sich die Höhe der gesamten Kosten dann schon auf 5,4 Milliarden Euro belaufen.

18. Mai 2014 – Neben Fehlplanung und Baumängeln nun auch noch Baupfusch

An den 18 km langen Entrauchungskanälen der Brandschutzanlage, die hinlänglich als Fehlplanung bekannt ist, werden zu allem Überfluss nun auch noch Ausführungsmängel festgestellt. Bei sogenannten Kaltrauchtests unter Überdruck zeigte sich, dass Teile davon wegen unsachgemäßer Ausführung undicht sind. Hartmut Mehdorn verlangt von den beteiligten Firmen die kostenlose Mängelbeseitigung, die mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird.

24. Mai 2014 – Finanzspritze noch nicht beschlossen – neue Kostensteigerung in Sicht

Noch ist keine Entscheidung über die dringend benötigten Kredite in Höhe von 1,1 weiteren Milliarden Euro gefallen, da wird bekannt, dass die Kosten für die unumgängliche Sanierung und den Ausbau der bestehenden Start- und Landebahn des bisherigen Flughafens Schönefeld, die für BER als künftige Nordbahn zur Verfügung stehen soll, noch nicht in der Finanzspritze enthalten sind. Die Kosten dafür werden auf 40 bis 50 Millionen Euro veranschlagt.

Darüber hinaus sind die Sanierungs- und Umbaukosten für das alte Terminal Schönefeld, das nach Hartmut Mehdorns Vorschlägen erhalten werden und zu einer Entlastung des neuen Terminals beitragen soll, noch nicht beziffert worden.

Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

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27. Mai 2014 – Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruptionsverdacht gegen Technikchef

Hartmut Mehdorn hatte den Dresdner Brandschutzexperten Jochen Großmann als Technikchef und Nachfolger Horst Amanns an den Flughafen BER geholt. Mit dem „Sprint-Team“ sollte er die Brandschutzanlage konzeptionell ändern, Pläne für den Umbau entwickeln und die technische Durchführung bis zur Fertigstellung leiten und überwachen.

Die Flughafengesellschaft informierte, dass die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Neuruppin Ermittlungen wegen „Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr“ eingeleitet hat und es sich vermutlich um einen Betrag in Höhe von 500.000 Euro handelt. In diesem Zuge wurde auch gemeldet, dass Durchsuchungen in einer Dresdener Firma Großmanns stattgefunden haben, denn zum Tatzeitpunkt war Großmann als Geschäftsführer seines eigenen Beratungsunternehmens im Auftrage des Flughafens tätig.

31. Mai 2014 – Banken drohen, ohne Finanzkonzept die Kredite zu verweigern

Nur wenn die Flughafengesellschaft ein belastbares Finanzkonzept vorlegt, ihre bisherigen Ausgaben im Detail darlegt und geplante Zahlungen auflistet, wird die KfW Ipex-Bank die für den Herbst vorgesehene Auszahlung von 119 Millionen vornehmen. Die KfW ist federführend innerhalb eines Bankenkonsortiums von sechs Banken, die dem BER einen Gesamtkreditbetrag von 2,4 Milliarden zur Verfügung stellen.

Derzeit hat die Finanzchefin der Flughafengesellschaft, Heike Fölster, noch nicht geschafft, der Forderung des Haushaltsausschusses und der Banken nachzukommen, weil bisher nur eine gemeinsame Buchführung des Flughafens Tegel und des Flughafens Schönefeld-Alt besteht.

Sollte es aufgrund dessen tatsächlich zum Auszahlungsstopp der Banken kommen, müssten Berlin, Brandenburg und der Bund aufs Neue aus Steuermitteln einen Baustopp verhindern.

01. Juni 2014 – Korruptionsskandal legt Verfahrensmängel bei Auftragsvergabe offen

Nicht nur Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, sondern interne Ermittlungen mehrerer Behörden wie auch eine von Hartmut Mehdorn einsetzte Taskforce gehen nun den Korruptionsvorwürfen und weiteren Fällen von Verdacht gleichzeitig auf den Grund. Fest steht, dass schwerwiegende Mängel im Vergabesystem der Flughafengesellschaft offensichtlich sind.

Medien berichteten, dass der Technikchef schon zu Zeiten, in denen er lediglich als Berater tätig war, einträgliche Planungsaufträge an Firmen, die seinen eigenen Unternehmen nahe standen, ohne Kontrolle vergeben konnte. Es sollen angeblich Aufträge von mehr als 2,5 Millionen Euro, die der europaweiten Ausschreibungspflicht unterliegen, frei vergeben worden sein, was jedoch von einem Flughafensprecher dementiert wurde.

Bei der Staatsanwaltschaft Cottbus ging darüber hinaus eine anonyme Anzeige eines Insiders ein, nach der Großmann mit drei beteiligten Firmen Absprachen über ausgeschriebene Aufträge vorgenommen haben soll.

02. Juni 2014 – Oppositionsparteien und Medien belasten auch den Flughafen-Chef

Verschiedene Medien und Oppositionsparteien werfen auch Hartmut Mehdorn Versagen vor. Sie berichten, dass er im Zuge der Korruptionsaffäre unter Druck geraten sei und werfen zum Teil die Frage auf, ob er noch zu halten sei. Es ist die Rede von einer verheerender Bilanz Mehdorns, von fehlendem Sachverstand und vom Ignorieren von Problemen. Ihm wird die mangelnde Fähigkeit, Kritik zu ertragen, vorgeworfen und letztlich die reihenweisen Kündigungen seiner wichtigsten Mitarbeiter, die häufig anderer Meinung waren als er selbst.

02. Juni 2014 – Sondersitzung des BER-Aufsichtsrates zum Korruptionsverwurf

In einer Sondersitzung macht sich BER-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Wowereit Sorgen um den Baufortschritt und mögliche terminliche Auswirkungen des Korruptionsfalls. Den Vorfall als solchen verurteilt er und verspricht restlose Aufklärung. Hartmut Mehdorn dagegen nimmt er mit Hinweis auf dessen entschlossene und umgehende Reaktionen in Schutz und weist darauf hin, dass vor Korruption kein vollständiger Schutz möglich sei.

Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium kündigt an, dass Verkehrsminister Alexander Dobrindt eine Weisung erlassen hat, künftig externe Kontrollen bei der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg durchzuführen.

fOTO. Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

fOTO. Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

03. Juni 2014 – In einigen Medien wird offen gefordert: Mehdorn muss weg

In einigen Medienberichten wird die Schuld am Flughafen-Desaster nicht mehr nur auf die vorherigen Ereignisse und technisches Versagen zurückgeführt, sondern mit offenem Hass gegen Hartmut Mehdorn aber auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit gewettert. Während Mehdorn allerdings erst seit Anfang 2013 dabei ist und versucht, die Karre unter höchstem Stress aus dem Dreck zu ziehen, sind die Vorwürfe gegen Wowereit schon berechtigter. Er war schließlich an der fatalen Fehlentscheidung, den Flughafen von den Länder Berlin und Brandenburg sowie vom Bund in eigener Regie zu bauen, um Kosten zu sparen, maßgeblich beteiligt.

Mehdorn allerdings wird vorgeworfen, Technikchef Großmann zu viel freie Hand gelassen und keine Kontrolle über ihn ausgeübt zu haben. Ebenso werden gegen ihn Vorwürfe erhoben, dass er verantwortliche Mitarbeiter, die berechtigte Kritik geübt haben, gefeuert und sich in Machtkämpfen als Alleinherrscher aufgeführt zu haben.

Weiter wird auf die Mängel hingewiesen, die Mehdorn auch von anderer Seite, unter anderem dem Landesrechnungshof, vorgeworfen werden und die dazu geführt haben, dass nun externe Prüfer eingesetzt werden sollen. Mehdorn und Wowereit werden ganz offen als Versager tituliert und ihnen wird Missmanagement und Führungsschwäche vorgeworfen.

07. Juni 2014 – Nachforderungen von Baufirmen von über 1,4 Milliarden Euro

Von den mit 1,4 Milliarden Euro bezifferten Nachforderungen von Firmen, die am Bau des Flughafens BER beteiligt waren, sollen nach Angaben der Flughafen-Gesellschaft 995 Millionen bereits ausgeglichen sein. Weitere Forderungen über 452 Millionen aus 1.600 Rechnungen werden geprüft, seien aber schon im Etat berücksichtigt. Zusätzlicher Finanzierungs-Mehrbedarf werde dadurch nicht entstehen.

17. Juni 2014 – Korruptionsaffäre beim Bau des Hauptstadt-Flughafens erweitert sich

Von Medien wird berichtet, dass der Umfang der Vorwürfe gegen den Ex-Technikchef Jochen Großmann zugenommen hat. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt auf Grund einer anonym eingegangenen Anzeige wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit und gesetzwidriger Absprache von Preisen. Bei Ausschreibungen für Planungen zum Umbau der Entrauchungsanlage soll Großmann drei Firmen, die sich an der Ausschreibung beteiligt haben, Preisabsprachen ermöglicht haben.

Außerdem wird gegen Großmann wegen einer Schmiergeldforderung an eine niederländische Firma ermittelt. Als Gegenleistung für die Erteilung eines Auftrages hatte er ein „Beraterhonorar“ von 350.000 Euro gefordert, was allerdings der Flughafengesellschaft von den Niederländern umgehend mitgeteilt und somit zum Auslöser der Korruptionsaffäre wurde.

Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Foto: Günter Wicker / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

22. Juni 2014 – Wofür die von Hartmut Mehdorn geforderten 1,1 Milliarden gebraucht werden

Inklusive der 1,1 zusätzlichen Milliarden für 2015 werden sich die Kosten zunächst mal auf 5,4 Milliarden Euro belaufen, wohlgemerkt für den Augenblick. Und so werden die Ausgaben in Euro aufgeschlüsselt: ● Umbau des Terminals, vorwiegend die Brandschutzanlage 340 Millionen ● Schallschutz-Mehrkosten 286 Millionen ● Zusätzliche Planungs- und Baukosten 168 Millionen ● Reserve für Kostensteigerungen und Schadenersatzforderungen 255 Millionen

24. Juni 2014 – Planer der Brandschutzanlage nicht Ingenieur sondern technischer Zeichner

Auf Nachforschen des Magazin Stern kommt heraus, dass der angebliche Planer der Brandschutzanlage, Alfredo di Mauro gar kein Hochschulstudium absolviert hat und demzufolge auch keinen Abschluss als Ingenieur nachweisen kann. Sein Anwaltsbüro hat bestätigt, dass er lediglich über einen Gesellenbrief als technischer Zeichner verfügt. Den Vorhalt, dass er doch gar kein Ingenieur sei, hatte er jedoch zunächst bestritten.

In Interviews redete er sich damit heraus, dass es sich bei Visitenkarten, auf denen er mit „Dipl. Ing.“ tituliert war, um alte Karten handelte, die aus Versehen weiter verwendet wurden. Außerdem sei er als Teamleiter in einem Ingenieurbüro beschäftigt gewesen und dafür sei ein Hochschulabschluss nicht erforderlich. Letztlich sei er beim BER auch niemals nach einem Abschluss gefragt worden.

24. Juni 2014 – BER Flughafen-Planungsunterlagen in Müllcontainer gefunden

Im Berliner Bezirk Lichtenberg wurden in zwei Müllcontainern bergeweise ausrangierte Planungs- und Konstruktionsunterlagen gefunden, die sich auf Bau und Anlagen des Flughafens Berlin Brandenburg beziehen. Diese stammen aus einer in Konkurs gegangenen Planungsfirma, die für den BER tätig gewesen war und sind offenbar achtlos von den Verantwortlichen zurückgelassen worden.

Obwohl die Flughafengesellschaft Strafanzeige erstattet hatte, wurde bereits fünf Tage später von der Kripo bekannt gegeben, dass die Ermittlungen eingestellt werden. Nur die Datenschutzbeauftragten können den Fall weiter als Ordnungswidrigkeit verfolgen, weil zum Teil personenbezogene Daten in den Unterlagen in Erscheinung traten.

28. Juni 2014 – Länder Berlin, Brandenburg und der Bund beauftragen externe Gutachter

Aufgrund der Kritik des Landesrechnungshofes haben die Länder und der Bund externe Gutachten über internes Controllingsystem, Geschäftsberichte und Projektsteuerung des Flughafens BER durch Sachverständige veranlasst. Im selben Zuge wird bekannt, dass Christian Manninger, der als Projektleiter des Projektsteuerers WSP/CBP den Flughafenbau jahrelang betreut hatte, die Arbeiten am BER nicht mehr weiterführt.

30. Juni 2014 – Baumanagementfirma WSP soll Studenten als Fachleute abgerechnet haben

Seit vielen Jahren ist die Münchener Baumanagementfirma WSP mit der Projektsteuerung für den Flughafenbau BER tätig und hat in dieser Zeit rund 50 Millionen Euro eingenommen. Sie setzt dafür 85 Mitarbeiter ein, obwohl laut einem Gutachten angeblich 60 qualifizierte Mitarbeiter reichen würden. Bei internen Überprüfungen durch die Flughafengesellschaft kam jetzt heraus, dass WSP in einigen Fällen die Qualifikation der eingesetzten Arbeitnehmer mit der Absicht, höhere Beträge abrechnen zu können, falsch angegeben hatte. In Einzelfällen sollen Aushilfsstudenten mit bis zu 9.270 Euro monatlich abgerechnet worden sein.

Die Flughafengesellschaft soll nach Medienberichten den WSP-Projektleiter Christian Manninger dafür verantwortlich machen und 1 Million Euro von WSP zurückfordern.

2myMind.de / g.m.


UPDATE:

Anfang August 2014 wird in den Medien gemeldet, dass es der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg bisher nicht gelungen ist, eine neue Generalplanungsgesellschaft zu finden, da eine europaweite Ausschreibung ohne Ergebnis geblieben ist. Seit der Trennung von dem ehemaligen Generalplaner (PG) BBI im Jahr 2012 sind Planungsaufträge den Anforderungen entsprechend separat vergeben worden. Für alle aktuell erforderlichen Planungen sind Aufträge vergeben und es soll dadurch angeblich nicht zu weiteren Verzögerungen kommen. Die volle Verantwortung für die Überwachung der Planungen liegt dabei allerdings bei der Flughafengesellschaft.

Ganz offensichtlich ist aber, dass angesichts der Pannenserie, der Vielzahl gefeuerter Firmen und leitender Mitarbeiter wohl jedes seriöse Unternehmen, das über das Potential zur Ausführung entsprechender Aufträge verfügt, davor zurückschrecken wird, sich überhaupt zu bewerben.

Einen Eröffnungstermin konnte Hartmut Mehdorn bislang noch nicht nennen, doch niemand rechnet mit einem Termin vor 2016. Immer mehr hat sich herauskristallisiert, dass zum vermeintlichen Eröffnungstermin 2016 bereits 31 Millionen Passagiere in Berlin abgefertigt werden müssen. Mehdorn hat dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft mitgeteilt, dass die Geschäftsführung in der Anfangsphase für das neue BER-Terminal nur die Verantwortung für höchstens 21 Millionen Passagiere übernehmen kann. Es scheint fraglich, ob und wann die geplante Kapazität von 27 Millionen Passagieren erreicht werden kann.

Mehdorns neuester Plan, das alte Schönefelder Terminal für den Passagierverkehr, speziell die Billigflieger zu erhalten und zu modernisieren, scheint schlüssig, wenn es auch nicht gerade zukunftsorientiert ist, weil es wohl auch nicht mehr als 7 bis 8 Millionen Passagieren verkraften kann. Auch diese Lösung zusammen mit BER bewegt sich schon im Planungsstadium nah an der zu erwartenden Kapazitätsgrenze, die durch Zunahme des Verkehrs schnell erreicht sein wird. Ein Wörtchen mitzureden hat dabei allerdings auch noch die Bundesregierung, die bis zur Eröffnung des in Nachbarschaft zum Schönefeld-Terminal zu errichtenden Regierungsterminals das alte Gebäude nutzen wollte. Bisher hat sich die Bundesregierung geweigert, diese Pläne aufzugeben.

Wie unschwer zu erkennen ist, nehmen Pannen, Probleme und Peinlichkeiten um den Flughafen BER kein Ende.

2myMind.de / g.m.

 

 

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Foto: Dirk Laubner / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Foto: Dirk Laubner / Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

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