Angemessenes Gedenken an 70 Millionen Weltkriegsopfer

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Offener Brief

„Angemessenes Gedenken an 70 Millionen Weltkriegsopfer“

an alle amtierenden und ehemaligen Amtsträger:

 

Bundespräsidenten und Bundespräsidenten a.D.
Bundestagspräsidenten und Bundestagspräsidenten a.D.
Bundeskanzlerin und Bundeskanzler a.D.
Bundesratspräsidenten und Bundesratspräsidenten a.D.
Ministerinnen und Minister und Ministerinnen und Minister a.D.

Berlin, den 13.11.2014

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Bundesratspräsident,
sehr geehrte Ministerinnen und Minister,

 

als Bürger dieses Landes bewegt mich seit langer Zeit eine Frage, die ich Ihnen und Ihren Vorgängern im Amt nachfolgend stellen möchte. Doch zunächst ist es erforderlich, Ihnen die Hintergründe meiner Frage zu erklären:

Auf Deutschland lasten Verantwortung und Mitverantwortung am Tod von mindestens 70, nach Schätzungen aber fast 100 Millionen Menschen, die dem 1. und 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen sind.

Wenn das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser-Wilhelm II. auch nicht, wie lange Zeit behauptet, die Alleinschuld am Ausbruch des 1. Weltkrieges getragen haben mag, so hat es sich doch zumindest mitschuldig gemacht, da es als erstes Land einer anderen Großmacht, nämlich Russland, den Krieg erklärt hat. Wie zahlreiche Dokumentationen belegen, hätte der Kriegsausbruch durch umsichtigeres Verhalten der beteiligten Länder diplomatisch verhindert werden können, wozu insbesondere Deutschland entscheidend hätte beitragen können. Der 1. Weltkrieg hat über 17 Millionen Menschenleben gefordert und unsägliches Leid, Hunger, Armut und Not über viele Länder gebracht und diese in ihrer Entwicklung weit zurückgeworfen.

Nur gut zwanzig Jahre später war das Deutsche Reich unter Adolf Hitler für den Ausbruch des 2. Weltkrieges durch seinen Angriff auf Polen mit seinen noch viel katastrophaleren Folgen und Auswirkungen auf ganz Europa und weite Teile der Welt verantwortlich. Mindestens 53 Millionen tote Soldaten und Zivilisten waren durch die direkten Kriegshandlungen zu beklagen, inklusive der durch Verbrechen und Kriegsfolgen gestorbenen Menschen wird die Gesamtzahl auf bis zu 80 Millionen Opfer geschätzt. Auch ist die Vernichtung ganzer Städte, Industrien, Landschaften und Existenzen zu beklagen. Unsagbares Leid ist während dieser Zeit insbesondere den jüdischen Bürgern und anderen verfolgten Volksgruppen widerfahren.

Deutschland ist heute wieder einer der angesehensten Staaten weltweit.

Unsere heutige Bundesrepublik Deutschland ist weder im Hinblick auf ihre Verfassung noch auf ihr politisches System mit den Vorgängerstaaten vergleichbar. Obwohl im Dritten Reich auch nicht alle Deutschen, sondern diejenigen, die sich zu Mitläufern und Akteuren der verbrecherischen Nazi-Diktatur machen ließen, die eigentliche Mitverantwortung am Krieg und seinen Folgen trugen, sind weder damalige staatsbürgerliche Einstellung noch politisches Denken und Handeln der Bevölkerung mit denen unserer Zeit vergleichbar. Deutschland hat als Demokratie wieder internationale Weltgeltung erworben und das Ansehen der Deutschen ist aufgrund der Leistungen des Wiederaufbaus nach dem Krieg und der 45 Jahre später gelungenen Wiedervereinigung auf einen hohen Grad gestiegen.

Deutschland überzeugt durch seine starke Wirtschaftskraft und übernimmt zunehmend mehr politische und militärische Verantwortung weltweit. Eigentlich könnten wir Deutschen stolz darauf sein, doch etwas trübt den Schein, denn es fehlt etwas ganz Wesentliches in Bezug auf das Gesamterscheinungsbild Deutschlands und dessen Außenwirkung.

Politiker predigen regelmäßig gegen das Vergessen, haben aber selbst etwas Wichtiges vergessen.

Vermisst wird schon seit Jahrzehnten, spätestens aber seit der Zeit nach der Wiedervereinigung, eine angemessene Stätte der Vergangenheitsbewältigung hinsichtlich des 1. und 2. Weltkrieges. Es ist in höchstem Maße beschämend, dass Deutschland als eines der reichsten Länder der Welt und als Land, dass fast 7 Millionen eigene Tote sowie über 53 Millionen Tote weltweit allein im zweiten Weltkrieg zu verantworten hat, trotz all seines Reichtums nicht in der Lage war, eine angemessene und für alle Menschen sichtbare und zugängliche Gedenkstätte für die gefallenen Soldaten aller Kriegsnationen und für die Toten der Zivilbevölkerung zu errichten. Deutschland könnte mit der Errichtung eines internationalen Weltkriegs-Memorials ein weltweit erkennbares Zeichen der Demut setzen, das mit Sicherheit internationale Anerkennung hervorrufen würde. Dazu hätte sich Deutschland absolut verpflichtet fühlen müssen, ist dieser Verpflichtung bisher aber leider nicht in angemessener Weise nachgekommen.

Doch damit nicht genug, es fehlt nicht nur eine Gedenkstätte, sondern insbesondere auch ein internationales Museum der Weltkriege I und II mit einem umfassenden Dokumentationszentrum. Eine derartige Einrichtung ist längst überfällig und für das Ansehen unseres Landes ebenso zwingend notwendig wie ein Memorial, da von vielen Seiten immer wieder vor dem Vergessen gewarnt wird. Es ist keinesfalls ausreichend, dass die Politik sich nur auf einige TV-Sender verlässt, die immer wieder ausführliche Dokumentarfilme über die Kriegsereignisse abspielen und dass an bedeutenden Jahrestagen von Politikern und hohen Amtsträgern ein paar Kränze niedergelegt und ein paar Reden gehalten werden. Auch dringt die Berichterstattung, die jedoch nur von einer begrenzten Anzahl von Zuschauern gesehen wird, über diese Ereignisse bei der Vielzahl der aktuellen Nachrichten nicht soweit zu allen Hörern, Lesern und Zuschauern durch, dass sie in irgendeiner Weise das Vergessen verhindern könnte.

Wenn auch anlässlich des 100. Jahrestages in den Medien mit ausführlichen Dokumentationen umfangreich an den Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 erinnert wurde, wird dieses Ereignis in kurzer Zeit im Gedächtnis der Bevölkerung wieder in den Hintergrund getreten sein, während dieser Jahrestag bei den künftigen Besuchern unseres Landes ohnehin kaum Beachtung finden dürfte. Dagegen kündet ein monumentales Denkmal, wie das der Völkerschlacht bei Leipzig, noch Jahrhunderte von den Schrecken dieser Schlacht und übt eine mahnende Wirkung aus. Nur eine angemessene Stätte der Erinnerung, ein Memorial der Weltkriege I und II für die Kriegsopfer aller Nationen, würde in gleicher Weise das Gedenken an die unfassbaren Geschehnisse nicht nur auf Jahrzehnte, sondern auf viele Jahrhunderte sichern und überdies als weiterer Publikumsmagnet auf die Besucher Deutschlands einwirken.

Politiker mahnen immer wieder: Aus der Geschichte lernen!

Es dürften deshalb weder Kosten noch Mühen gescheut werden, ein dementsprechendes Memorial, aber auch ein internationales Museum der Weltkriege I und II zu realisieren, denn es würde der Weltöffentlichkeit zusätzlich zu allen bestehenden Anzeichen für die Veränderung Deutschlands und der Menschen dieses Landes vor Augen führen, dass die Deutschen von heute mit den Sünden desjenigen Teils ihrer Vorväter, welche die Kriege zu verantworten hatten, abgerechnet haben und dies damit öffentlich demonstrieren. Und es würde bekräftigen, dass die Deutschen keineswegs den leichteren Weg gehen, die Gräuel der durch ihr Volk verursachten Kriege langsam aber sicher unter den Tisch zu kehren, damit eines Tages ja keiner mehr nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“ daran erinnert wird.

Es ist davon auszugehen, dass sich alle verantwortungsbewusst denkenden Deutschen, allen voran die Politiker, im Kampf um das Vergessen, insbesondere auch an den Völkermord, der an den Juden und anderen Volksgruppen begangen wurde, einig sind. Doch trotzdem scheint das ganze Gerede um das Vergessen ohne Substanz zu sein, denn wie wäre es sonst möglich, dass es 60 Jahre gedauert hat, bis endlich ein Holocaust Denkmal in Deutschland errichtet werden konnte. Verständlich ist in diesem Zusammenhang lediglich, dass Deutschland aus gutem Grund kein monumentales Denkmal nur für eigene gefallene Soldaten und zivile Kriegstote der beiden Weltkriege errichtet hat.

Als deutscher Staatsbürger bewegt mich seit langem die Frage, die ich Ihnen hiermit stellen möchte:

„Wie ist es zu erklären, dass keiner der ehemaligen bzw. aktiven Politiker, von Abgeordneten über
Partei- und Fraktionsvorsitzende, über Trägerinnen und Träger der Ministerämter, bis zu Trägerinnen und Trägern der Ämter des Bundeskanzlers und des Bundespräsidenten sich je für eine solche Einrichtung in Deutschland wirklich engagiert und die Realisierung auch tatsächlich durchgesetzt hat?“

Doch es soll nicht nur kritisch hinterfragt werden, ohne dass dazu ein konkreter Vorschlag unterbreitet wird. Dieser ist eigentlich ganz simpel und bietet sich fast schon von alleine an, wenn man ein wenig darüber nachdenkt. Konkrete Vorschläge zu einem Memorial und einem internationalen Museum der Weltkriege sind im separaten Beitrag „Vorschlag: Angemessenes Gedenken an 70 Millionen Weltkriegsopfer“ detailliert dargestellt.

Ein Memorial für die Opfer aller Nationen und ein internationales Museum der Weltkriege I und II.

Mit dem Schreiben ist keinesfalls die Absicht verbunden, persönliche Vorwürfe gegen amtierende oder frühere Amtsinhaber zu erheben, vielmehr soll Ihre geschätzte Aufmerksamkeit bewusst darauf gelenkt werden, dass die Deutschen in der Hektik ihrer wirtschaftlichen und politischen Erfolge etwas Wichtiges vergessen haben. In ganz Deutschland gibt es eine Reihe kleinerer, dezentraler Gedenkstätten für gefallene Krieger, doch die eine große und zentrale Gedenkstätte im vorgeschlagenen Sinne, etwa wie in Washington, sowie ein großes Museum der Weltkriege I und II existiert nicht. Es wird höchste Zeit, dies nachzuholen, insbesondere weil auch potentielle Ausstellungsobjekte aus der Zeit der Weltkriege immer rarer werden dürften.

Ein weiterer zwingender Grund, sich nicht nur mit dem Thema auseinanderzusetzen, sondern durch demonstratives Handeln ein Zeichen zu setzen, liegt darin begründet, dass aktuell eine ganze Reihe bewaffneter Auseinandersetzungen und offener Kriege weltweit das Leben von Millionen Menschen bedrohen und Hunderttausende Tote und ebenso viel Verletzte fordern. Von den über 50 Millionen Flüchtlingen, welche die UNHCR aktuell auf der Welt vermeldet, hat ein sehr großer Teil seine Heimatländer auf Grund von Kriegen verlassen müssen. Darüber hinaus werden Städte, Landschaften und das Wirtschaftsleben zerstört und viele Millionen sind auf der Flucht vor Bomben, Massakern, Verfolgung und Terror. Ein Memorial sollte deutliche Zeichen setzen gegen jegliche Art von Krieg!

Die Völkerschlacht bei Leipzig war 1813 die bis dahin wahrscheinlich größte Schlacht der Weltgeschichte mit 92.000 Gefallenen von etwa 600.000 Kriegsteilnehmern, trotzdem wurde das Völkerschlachtdenkmal erst zum einhundertsten Jahrestag errichtet. Müssen wir wirklich auch erst bis zum hundertsten Jahrestag des zweiten Weltkrieges abwarten, ehe wir einen Anlass erkennen, ein Memorial für die Weltkriegstoten aller Nationen zu errichten?

Mit vorzüglicher Hochachtung

Gert Meyer
Chefredakteur 2myMind.de

2myMind.de / g.m.

Link zum Beitrag:  Vorschlag für „Angemessenes Gedenken an 70 Millionen Weltkriegsopfer“

Link zum Beitrag: 8. Mai: Siebzigster Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkrieges


Politik und Bürger des Landes sind dazu aufgerufen, bald ein internationales Memorial für die Toten aller Teilnehmernationen beider Weltkriege zu errichten!

Gedenkstätte in Frankreich - Foto: pixabay.com

Gedenkstätte in Frankreich – Foto: pixabay.com

Gedenkstätte in Washington D.C. - Foto: pixabay.com

Gedenkstätte in Washington D.C. – Foto: pixabay.com

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Die Redaktion fragt:
Wie stehst Du zur Mahnung nicht zu vergessen und aus der Geschichte zu lernen? Sind ein Museum der Weltkriege und ein Memorial angemessen?

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