Ärzte-Skandale werden in immer neuen Varianten aufgedeckt

Der Einfallsreichtum für Betrügereien in der Ärzteschaft ist kaum zu schlagen

Foto: Thorben Wengert / pixelio.de

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Wenn es eine Ranking-Liste der beliebtesten Skandale gäbe, würden die Ärzte-Skandale mit Sicherheit einen der oberen Plätze einnehmen. Ärzte-Skandale, wobei es sich meist um Abrechnungs-Betrügereien erheblichen Ausmaßes handelt, haben einfach Konjunktur und die Betrüger sind genial anpassungsfähig an immer wieder neue Herausforderungen. Scheinbar nicht die geringste Chance auf kleine oder größere kriminelle „Zuverdienste“ wird dabei ausgelassen.

An Abrechnungsbetrügereien im Gesundheitswesen sind Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser, Laborärzte, Psychotherapeuten, Logopäden oder Physiotherapeuten in Form von Abrechnung nicht erbrachter Leistungen beteiligt. Apotheken, Sanitätshäuser und andere Lieferanten sind in Betrügereien bei der Abrechnung nicht gelieferter Waren verwickelt. Gelegentlich werden Fälle bekannt, in denen Ärzte mit Apothekern, medizinischen Laboren oder anderen Dienstleistern der Medizinbranche gemeinsame Sache gemacht haben.

Foto: Matthias Preisinger / pixelio.de

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Abrechnungsbetrug von Krankenhäusern und Pflegeheimen dagegen erstrecken sich oft auf falsche Angaben von Krankheitsverschlüsselungen (Upcoding), wodurch sich die Vergütungen trotz nicht erbrachter Leistungen erhöhen.

Wenn aufsehenerregende, aufgedeckte Betrügereien auch nur eine Minderheit der großen Ärzteschaft betrifft, so sind doch die Fallzahlen immer mehr angestiegen und die Auswirkungen finanzieller Art ebenfalls. Bei den alltäglichen Abrechnungs-Betrügereien niedergelassener Ärzte, die durch Abrechnungsbetrug budgetierte ärztliche Behandlungsleistungen erschleichen, die sie von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) vergütet erhalten, schädigen sie ihre eigenen Arztkollegen, die dadurch weniger vom Kuchen abbekommen. Bei Betrug mit nicht erbrachten individuellen Leistungsabrechnungen dagegen schädigen sie die Krankenkassen.

Foto: Matthias Preisinger / pixelio.de

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Beides lässt sich bei moderaten Einzelbetrügereien von den KVen und den Kassen schwer aufdecken, Erst wenn sich die Fälle häufen und die Zahlen bei Plausibilitätsprüfungen als zwielichtig erweisen, werden die Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenversicherungen aufmerksam, ermitteln, stellen erforderlichenfalls Strafanzeigen und erheben finanzielle Rückforderungen Bei einer der zuletzt aufgetretenen Varianten handelt es sich um betrügerische Verflechtungen von niedergelassenen Ärzten mit Krankengymnastik-Praxen eines bestimmten Unternehmens. Im Jahr 2013 wurde in den Medien gemeldet, dass eine Krankenkasse Anzeige wegen Betruges gestellt hatte, weil Orthopäden bundesweit bei Physiotherapiepraxen mitkassiert haben.

In der ARD-Sendung Kontraste war berichtet worden, dass die KKH gegen Orthopäden und ein bundesweit tätiges Unternehmen, das eine Vielzahl von Physiotherapiezentren betreibt, ermittelt. Die Ärzte oder ihre Familienangehörigen sind finanziell an örtlichen Physiotherapiepraxen beteiligt, die sich in der Nähe ihrer eigenen Arztpraxis befinden. Diese Ärzte leiten ihre Patienten nach Verordnung von Krankengymnastik nach Möglichkeit in eben diese Therapiepraxis und verdienen auf diese Weise durch ihre Gewinnbeteiligung an der Verordnung mit, was den Ärzten jedoch grundsätzlich verboten ist.

Dabei soll es Physiotherapiepraxen gegeben haben, zum Teil sogar Tür an Tür mit den Arztpraxen gelegen, die so gut wie ausschließlich von den auf diese Weise „überwiesenen“ Patienten gelebt haben. Diese Art betrügerischer Geschäfte geht jedoch nicht nur auf Kosten der einen Krankenkasse, sondern alle anderen Krankenkassen sind natürlich ebenso betroffen.

Foto: Martin Büdenbender / pixelio.de

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Durch gesetzwidrige Abrechnungen werden nicht etwa nur „reiche und anonyme“ Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen geschädigt, sondern die Gesamtheit der Versicherten ist es, die letzten Endes über entsprechend angepasste Beiträge der Krankenkassen den Schaden zu tragen hat.

Vorsätzliche Falschabrechnung erfüllt den Betrugs-Straftatbestand und ist strafbar. Außerdem wird schuldhafte Falschabrechnung durch den Kassenarzt als grobe Pflichtverletzung betrachtet, die zum Entzug der Kassenarztzulassung führen kann.

Ärzte gehörten vor nicht allzu langer Zeit zu den Berufsgruppen in der Gesellschaft, die die größte Hochachtung und das größte Ansehen genossen. Wenn die Mehrheit der Ärzteschaft vielleicht auch nicht zu den Abrechnungsbetrügern zählen mag, ist diesbezüglich das Vertrauen massiv erschüttert. Es gibt keine Untersuchungen darüber, wie der „deutsche Patient“ über seinen Arzt denkt. Geht er in die Praxis und überlegt insgeheim: „Ist er Einer oder ist er Keiner“? Dem redlichen Arzt muss der Gedanke an solche Verdächtigungen gegen seine Person ein Horror sein. Der Patient stellt sich allerdings die Frage, weshalb die Ärzteschaft in ihrer Gesamtheit zu unentschlossen ist, um in ihren Vertretungen nicht durchzusetzen, dass ein transparentes und weitgehend betrugsresistentes Abrechnungssystem mit Bestätigung der abgerechneten Leistungen durch den Patienten eingeführt wird? Hat das vielleicht doch den Grund, dass mehr Ärzte bei den Abrechnungen schummeln, gerade mal so, dass es nicht auffällt und kaum nachweisbar ist?

2mymind.de / g.m.

 

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Die Redaktion fragt:
Bist Du für ein Abrechnungssystem mit Leistungsbestätigung durch den Patienten?

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