Ukraine: Mehr als 117.000 Binnenvertriebene


Foto: © UNHCR

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UNHCR – 06. August 2014 – Kiew

UNHCR schätzt die gegenwärtige Zahl der Menschen, die innerhalb der Ukraine auf der Flucht sind auf 117.000 Personen ein. In den letzten sieben Tagen wurden mehr als 6.200 Menschen aus ihren Häusern vertrieben. Weiterhin sind bis zum 1. August ungefähr 168.000 Personen über die Grenze nach Russland geflohen.

Vor allem in den Regionen Luhansk und Donetsk sind die Zahlen von 2.600 auf 102.600 Personen seit Anfang Juni stark angestiegen. 87 Prozent aller Flüchtlinge und Binnenvertriebenen kommen mittlerweile aus der Ostukraine; die Anzahl der Personen von der Krim liegt bei ca. 15.200.

Die Menschen fliehen aus der Ostukraine mit nur wenigen Habseligkeiten, dazu kommen Schwierigkeiten wie beispielsweise fehlender Zugang zu Bankleistungen. Durch die schlimmer werdenden Kämpfe sind auch Grundversorgung und Infrastruktur stark betroffen, was sich u.a. darin zeigt, dass Trinkwasser immer knapper wird. Viele Häuser und Gebäude in den Regionen Donezk und Luhansk wurden durch den anhaltenden Konflikt zum Teil oder ganz zerstört.

Flucht und Rückkehr

UNHCR beobachtet einerseits, dass eine steigende Anzahl an Menschen, die der wachsenden Gewalt um Holivka, Donezk und Luhansk flieht, andererseits kehrt eine erheblichen Zahl an Personen in Gebiete zurück die von der ukrainischen Regierung zurück erobert wurden.

Nach Angaben von örtlichen Behörden sind in den letzten sieben Tagen an die 4.000 Personen aus der Region Kharkiv nach Slavyansk und Kramatorsk zurückgekehrt. Allein nach Slavyansk kehrten seit 5. Juli 20.000 Menschen zurück.

Die Vertriebenen berichten von erheblichen Gefahren, wie beispielsweise das Risiko in ein Kreuzfeuer zu geraten. Dies war für viele eine der Hauptgründe, ihre Häuser zu verlassen. Andere wiederum fürchten sich vor Verfolgung auf Grund ihrer politischen Ansichten, ihrer Ethnie oder der gewaltsamen Rekrutierung durch die ukrainische Regierung oder den Separatisten. Einige berichten von Vorfällen wie Entführung, Erpressung sowie Schikanen. Andere Fluchtgründe waren die Zerstörung der Häuser sowie der grundlegenden Infrastruktur.

UNHCR unterstützt Binnenvertriebene

UNHCR ruft die ukrainische Regierung dazu auf ein zentrales Registrierungssystem für alle Binnenvertriebenen einzurichten. Das derzeitige Fehlen eines systematischen und einheitlichen Systems behindert die Koordinierung und Umsetzung der Hilfsbemühungen. Das ist auch wichtig für die ukrainischen Behörden, die Vorbereitungen für den Winter treffen. Die meisten der jetzigen Behausungen sind für die kalten Wintermonate noch nicht gerüstet.

UNHCR unterstützt weiterhin die Regierung und die Bevölkerung dabei die Vertriebenen zu versorgen, vor allem diejenigen, die am dringendsten Hilfe benötigen. Für rund 15.000 Rückkehrer in Slavyansk hat UNHCR Hygieneartikel und Küchengeräte zur Verfügung gestellt. In den Monaten Juni und Juli wurden drei Schiffsladungen an Hygieneartikeln, Matratzen, Essen und Bettwäsche nach Sviathohirsk geliefert, 5.000 Vertriebene in Krasniy Lyman erhielten ebenfalls Hilfsgüter.

Die meisten Binnenvertriebenen kamen bei Freunden und Familie unter oder haben eine Unterkunft gemietet. UNHCR unterstützt auch rund 700 Binnenvertriebene in den Regionen Lviv und Vinnytsia finanziell.

Letzte Woche unterzeichnete UNHCR eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit mit den regionalen Behörden in Donetsk um in Mariupol, um dort ein Büro zu eröffnen. So sollen Regierungsvertreter unterstützt werden und die Verteilung der Hilfsgüter besser koordiniert werden. Die erste Lieferung an Hilfsgütern fand am 1. August in der Stadt Yalta statt; eine weitere Lieferung ist in den kommenden Tagen für den Bezirk Pryazovskiy, im Süden der Region Donetsk geplant. Hier halten sich mehr als 20.000 Entwurzelte auf.

Viele Menschen finden in Russland Zuflucht

Die meisten der Ukrainer, die das Land verlassen, stellen keine Asylanträge. Sie versuchen oft einen anderen Rechtsstatus zu erlangen. Manche zögern einen Asylantrag zu stellen, da sie Schwierigkeiten befürchten und betrachten andere Möglichkeiten kurzfristig gesehen als bessere Alternativen.

Nach Angaben der russischen Regierung haben vom 1. Januar bis 1. August 168.677 Personen in Russland um Asyl angesucht. 6.347 ersuchten hierbei um einen Flüchtlingsstatus, 48.914 um befristetes Asyl, 28. 134 beantragten die russische Staatsbürgerschaft, 59.858 einen Aufenthaltstitel, 19.943 um einen befristeten Aufenthaltstitel und 5.481 bewarben sich für das Programm für die Ansiedlung ethnischer Russen.

Eine große Anzahl an Ukrainern in Russland kann in Russland ohne ausgestellte Visa bleiben. Nach russischen Angaben sind seit Beginn des Konflikts rund 730.000 Ukrainer angekommen, die oben genannten 168.677 Personen bereits miteingerechnet. 80 Prozent der Ukrainer halten sich in der Grenzregion auf, der Rest zieht zu Verwandten und Freunden in andere Teile des Landes. In über 585 provisorisch aufgestellten Unterkünften leben 42.486 Menschen. Mehrere Richtlinien wurden seitens der russischen Behörden erlassen, um den vorübergehenden Aufenthalt der Ukrainer auf ihrem Staatsgebiet zu ermöglichen. In der Europäische Union haben von Januar bis Juni dieses Jahres 2.700 Ukrainer Asyl beantragt.

UNHCR – 06. August 2014

 

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